Tonale Musik und das Konzept des Finalismus

Daniela Lupo,  29. Mai 2018

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Übersetzt ins Deutsche von Ingrid und Otfried Weise, Mai 31, 2018

Wir sprechen von tonal, wenn wir uns auf alle Arten von Musik beziehen, die um einen zentralen Ton, die “Tonika”, herum organisiert sind. Im engeren Sinne spricht man von tonaler Musik, wenn eine hierarchische Beziehung zwischen der Tonika und allen anderen Tönen einer diatonischen Dur- oder Molltonleiter hergestellt wird.

In Europa tauchte die tonale Musik zu Beginn des 16. Jahrhunderts auf, genau war es Gioseffo Zarlino, der Mitte des 16. Jahrhunderts das Prinzip der Tonalität und die Theorie der Akkordbildung einführte (Zarlino verdeutlicht, dass Musik vor allem ein Wissen oder besser noch eine Wissenschaft ist, die auf der Quantifizierung musikalischer Stimmen und Klänge beruht. Die Definition der Musik als exakte Wissenschaft, die sich auf die Arithmetik stützt, entsprach voll und ganz dem kulturellen Ferment der Renaissance, in welcher der Autor lebte. In seiner ‘Harmonischen Demonstration’ von 1571, behandelt Zarlino die Anzahl der Möglichkeiten zur Betonung des C in der ionischen Art und Weise, wodurch er ein System auf der Grundlage von Zwischentönen von Dur- und Molltonleitern erschuf.). Pythagoras hatte jedoch lange zuvor sein System auf der Grundlage von Harmonien und ihren mathematischen Beziehungen begründet und sich mit dem Studium der natürlichen Harmonien befasst (natürliche Harmonien sind eine Folge von Klängen (Obertönen), deren Frequenzen das Vielfache einer Basisnote sind, die als Fundamental bezeichnet wird).

Die Nutzung dieses Tonalsystems dauerte bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, als die tonale Musik in der klassischen Musik in eine Krise geriet, während sie in der Volks- und Unterhaltungsmusik bis heute in Mode blieb. In diesem Sinne ist fast alle Musik “tonal”, auch die der nicht-westlichen Kulturen.

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Entwicklung der Tonalität mehr und mehr in Richtung Polytonalität und Atonalität. Diese neuen Theorien (und ihre jeweiligen musikalischen Praktiken, wie z.B. die Dodekaphonie) sollen die klangliche Hierarchie der Klänge durchbrechen und die Grenzen der beiden Dur- und Moll-Tonarten überwinden. Insbesondere wurde das Klangsystem von Richard Wagner und Franz Liszt in Frage gestellt und dann in Arnold Schönbergs Dodekaphonie und Atonalität festgelegt. Konventionelle und populäre Musik, sowie eine große Anzahl neoklassischer Komponisten des 20. Jahrhunderts (wie Igor Stravinskij oder Ottorino Respighi) und nationale Schulen, die von der Folklore inspiriert sind (besonders auf dem Balkan), haben jedoch bis heute die tonale Vorgehensweise verwendet.

Tatsächlich basiert dieses System auf der Verwendung von nur zwei Arten von Tonleitern: einer Dur- und einer Moll-Tonleiter, die mit ihren jeweiligen musikalischen und expressiven Eigenschaften und der Verstärkung der vielfältigen harmonischen Beziehungen zwischen den Noten der Tonleiter ein komplexes Netzwerk von linearen und polyphonen Beziehungen schaffen, in dem die Melodie das Potential für Spannung oder Erfüllung ausnutzt, das jede einzelne Note bietet, aber gleichzeitig mit dem Potential für Spannung oder Erfüllung agiert, das durch den harmonischen Kontext, d. h. durch die Abfolge von Akkorden, die ihr zugrunde liegen, ermöglicht wird.

Alle anderen Klänge bewegen sich um die und zur Tonika, dem ersten Ton, auf dem die gesamte Dur-Tonleiter (oder Ionische Tonleiter) aufgebaut ist. Die Tonika hat daher eine größere Bedeutung als die anderen Töne und ist auch der “Schlüsselton”, auf dem ein Stück normalerweise beruht.

Das tonale System ist in der Tonleiter enthalten und wird von ihr dargestellt. (Unter musikalischer Tonleiter verstehen wir eine Abfolge von acht Tönen, die ohne Sprünge aufeinander folgen und mit der Wiederholung desselben Tons (sieben plus eins) beginnen und enden, der “Zwillingston” des Ausgangstons, auch Oktave genannt. Die Tonleiter kann aufsteigend sein, wenn die Töne von tief nach hoch gehen, und absteigend, wenn die Töne von hoch nach tief gehen. Sie kann mit jeder der sieben Töne begonnen werden, wobei ihr Name derjenige des Anfangstons ist, der dann auch der Ankunftston ist).

Die harmonischen Regeln der Akkordbildung (mindestens drei Töne, Dreiklänge) gelten für jeden Ton der so gebildeten Tonleiter. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, können wir sehen, dass melodische Beziehungen und harmonische Beziehungen und Effekte zwischen den Klängen um die Grundtöne herum geschaffen werden können: die Tonika (oder erster Ton auf der Tonleiter), der die Auflösung einer Beziehung ausdrückt, die Dominante (oder fünfter Ton auf der Tonleiter), der die Spannung einer Beziehung ausdrückt, und die Subdominante (oder vierter Ton auf der Tonleiter). Deshalb bilden die Töne I, IV und V in dieser Reihenfolge eindeutig eine Tonalität (und stellen auch eine gemischte Kadenz dar).

Das Hauptmerkmal der tonalen Musik, verglichen mit der vorhergehenden (prä-tonalen oder modalen) und der folgenden (post-tonalen, chromatischen, atonalen, seriellen), ist ihr starker Drang zur kadenziellen Auflösung. Tonale Musik ist in der Lage, ein teleologisch orientiertes Zeitfeld zu schaffen; es ist kein Zufall, dass sie sich parallel zum modernen Konzept der Geschichte und des Fortschritts der Menschheit entwickelt hat. Die Kraft der Tonalität hat die musikalische Sprache wachsen lassen, wie sie es in ihrer gesamten Vorgeschichte nicht gekannt hatte: denkt daran, dass die überwiegende Mehrheit der musikalischen Werke, die heute zum Repertoire gehören, in diese Kategorie fallen.

Teleologie (aus dem Griechischen τέλος (télos), Ende, Zweck und λόγος (lógos), Diskurs, Gedanke) ist die philosophische Lehre des Finalismus, welche die Kausalität des Endes nicht nur in der gemeinsamen freiwilligen Tätigkeit des rationalen Menschen, die auf die Verwirklichung eines Zwecks gerichtet ist, zuläßt, sondern auch in seinen unfreiwilligen und unbewussten Handlungen, die trotzdem ein Endziel erkennen lassen. So ist das Ende, die finale Ursache, sowohl das Ergebnis der Gesamtorganisation der Welt als auch einzelner Ereignisse.

Der Begriff Finalismus scheint auf Christian Wolff zurückzugehen, der ihn in seiner Philosophia rationalis sive logica (1728) in Bezug auf  “den Teil der Naturphilosophie, der das Ende der Dinge erklärt” verwendete.

Auch ohne diesen Begriff geht das Konzept des Finalismus auf die altgriechische Philosophie zurück und nicht auf die Philosophie des Determinismus der Naturphilosophen. Die Doktrin des Finalismus impliziert zwei Thesen: 1) die Welt ist mit Blick auf ein Ende organisiert; 2) die Erklärung jedes Ereignisses in der Welt besteht darin, auf das Ende hinzuweisen, auf das sich das Ereignis hinbewegt.

Nach  Plato und Aristoteles war der erste antike Denker, der die Ursächlichkeit des Endes annahm, Anaxagoras, der von einer ordnenden Instanz (Intellekt) Nous spricht (siehe auch Neoplatonismus), zu dem “alle getrennten und unterscheidbaren Dinge gehören, und alle sind in sich selbst vorhanden…. und dieses Nous ordnet sie“.

Platon stellt in seiner eigenen Lehre als Folge des Prinzips von Anaxagoras dar, dass die Intelligenz die ordnende Ursache der Welt ist und dass sie jede einzelne Sache steuert und alle Realität “auf die beste oder ausgezeichnete Weise” lenkt (siehe auch die Monadologie von Leibnitz).

Aber die Lehre, welche das Konzept des Finalismus in der alten und neuen Metaphysik durchgesetzt hat, ist die von Aristoteles. Die beiden Thesen des Finalismus sind integraler Bestandteil der aristotelischen Metaphysik. Einerseits stellt Aristoteles fest, dass “alles, was ist, von Natur aus für ein Ende existiert” und identifiziert das Ende mit der gleichen Substanz “oder mit der Form oder Daseinsberechtigung der Sache”. Andererseits glaubt er, dass das Universum einem einzigen Ziel untergeordnet ist, welches Gott selbst ist, auf dem die Ordnung und Bewegung des Universums selbst beruht.

Auf dieser Grundlage verteidigt Aristoteles die Kausalität des Endes gegen die These, die er “Notwendigkeit” nennt, in der Dinge nicht im Hinblick auf ihr bestes Ergebnis geschehen, sondern manchmal das zufällige Ergebnis von Notwendigkeit oder Zufall sind, wie Empedokles lehrt. Für Aristoteles geht es also nicht darum, die Natur zu erklären, da der Finalismus auch für die anorganische Welt gilt, wo alles, wenn es nicht daran gehindert wird, seinem “natürlichen Ort” zustrebt.

Das Ziel ist für Platon und Aristoteles in der Tat die Form oder der Daseinszweck der Sache (raison d’être); und die Bestimmung des Zwecks ist die kausale Erklärung der Sache selbst.

https://wikipedia/ Musica_tonale

http://digilander.libero.it/romagnani/ il sistema tonale/ romagnani

http://www3.unisi.it/ introduzione al linguaggio musicale/tonalità

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