Die Sprache als Grenze der Gnosis

Georgi Stankov, 12. Mai 2019

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Aus dem Buch “Gnostische Tradition der abendländischen Philosophie“, Teil III, S. 244, 2004

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Vor zwei Tagen saßen Daniela, Carla und ich in einem Café an der Seepromenade und sprachen über italienische Sprache und die Bedeutung von Wörtern. Es begann mit dem italienischen Wort “cattivo, cattiva”, das viele Bedeutungen hat, wie schlecht, böse, bösartig, malignant. Daniela erklärte, dass die Italiener mit diesem Wort präzise negative Erfahrungen verbinden – es ist sehr kraftvoll und bestimmt ihr Verhalten und ihre Reaktion auf Menschen und Situationen. In diesem Moment mischte sich St. Germain ein, der uns zur Zeit immer zur Seite steht und uns beim Aufbau des Heilzentrums hilft. Er schlug vor, dass solche Worte auf der neuen Erde, einschließlich des Heilungszentrums und der Stadt des Lichts, keinen Platz haben würden, da sie aufgrund von Vorurteilen und falschen Überzeugungen viel Negatives enthalten. Das Leben auf der neuen 5D-Erde wird im Einheitsbewusstsein sein, getragen vom Prinzip der bedingungslosen Liebe, und alle Gedankenformen, die Dunkelheit enthalten, werden nicht kompatibel sein. Da das meiste Wissen und Informationen nach dem Prinzip der Wahrheit telepathisch ausgetauscht werden, können keine dunklen Gedanken mehr verborgen werden. Damit die Menschen geheilt werden können, müssen sich diese Gedankenformen und die Worte, durch die sie in dieser Realität zum Ausdruck kommen, radikal ändern.

Ich habe die Ansicht vertreten, dass Wörter selbst neutral sind und man jedes Wort verwenden kann, um einen Gegenstand oder ein Phänomen in der Außenwelt oder eine abstrakte Gedankenform bzw. ein abstraktes Gefühl auszudrücken, und dass sie äquivalent sind, da dies die Natur der menschlichen Sprache ist als ein Kommunikationsmittel in dieser 3D-Realität. Es ist nicht das Vokabular, das sich ändern muss, sondern die zugrunde liegenden negativen Gedankenformen und Gefühle, die einige Wörter mit negativen Schwingungen erfüllen, die auf Vorurteilen und falschen Überzeugungen beruhen und sie daran hindern, in das Einheitsbewusstsein einzutreten.

Dann erinnerte ich mich plötzlich daran, dass ich vor langer Zeit – vor 15 Jahren – einen umfassenden Aufsatz über die menschliche Sprache als Begrenzung des wahren gnostischen Wissens geschrieben hatte. St. Germain freute sich sehr, dass ich mich an diesen Artikel erinnerte und forderte mich auf, ihn zu veröffentlichen, da er eine sehr wichtige Diskussion für alle Menschen eröffnet, die in naher Zukunft unser Heilzentrum besuchen und ihr Denken und ihre Sprache ändern müssen, damit sie von der neuen energetischen Atmosphäre des Einheitsbewusstseins und der Liebe profitieren und geheilt werden können. Und hier ist mein Aufsatz über die menschliche Sprache. – George

Nachdem ich in diesem Essay alle zentralen Fragen der Philosophie aus der Theorie des Universalgesetzes stringent beantwortet und die vielfältigen individuellen Manifestationen der menschlichen Gnosis mit ausgewählten Beispielen verdeutlicht habe, werde ich mich zum Schluss noch einmal der Frage nach dem Wesen der Erkenntnis im weitesten philosophischen Sinne widmen.

Wir haben gesehen, dass Erkenntnisse Gedanken und diese astral-energetische Phänomene des Geistes sind, wobei der menschliche Geist bzw. Verstand, der sich zur Zeit fast ausschließlich als Tagesbewusstsein manifestiert, eine unbedeutende U-Untermenge des Geistes der 7F-Schöpfungsbereiche ist. In diesem Sinne sind alle Gedanken und Erkenntnisse, zu denen ein Mensch fähig ist, transzendenter Natur und somit unabhängig von der dreidimensionalen Wirklichkeit, die er mit seinen beschränkten Sinnen als eine „äußere“ und „objektive“ Angelegenheit erfasst und deutet. Dieses transzendente Wissen steht jedem Einzelnen latent zur Verfügung und kann jederzeit abgerufen werden, insofern eine entsprechende medial-mentale Einstellung der Persönlichkeit dies zulässt.

Darüber hinaus verfügt der Mensch über eine Psyche, die eine vorgefertigte Konstruktion der Seele ist. Die astral-energetische Struktur der Psyche besteht aus unzähligen Gefühls-mustern, die man als astral-energetische Module betrachten kann. Die Identität, die Einmaligkeit der inkarnierten Persönlichkeit, hängt maßgeblich von der Auswahl und Zusammensetzung der einzelnen Gefühlsmuster ab und ist eine Entscheidung der Seele vor jeder Inkarnation.

Sowohl die Sinneswahrnehmungen als auch die Gefühle sind nur durch den Verstand erfahrbar. Die Sinne liefern aufgrund des neuronalen Aufbaus des Nervensystems energetische (elektromagnetische) Daten aus der Vergangenheit, die in einem Astralorgan gespeichert werden und dem Verstand nur als Gedächtnis zur Verfügung stehen. Diese Daten vermitteln den Eindruck von einer Zeitachse, entlang derer die Ereignisse scheinbar kettenartig nach dem Ursache-Wirkungsprinzip, auch als Kausalitätsprinzip bekannt, ablaufen.

Die 3D-Ereignisse werden zurzeit sowohl in der Wissenschaft als auch im alltäglichen Denken als getrennte Phänomene betrachtet, die angeblich unabhängig voneinander auftreten: Man analysiert vorzugsweise nur eine einzige Kausalkette aus Ursachen und Wirkungen und lässt alle anderen Kausalketten, die mit dieser Kette auf vielfältige Weise gekoppelt sind, außer Betracht. Diese Vereinfachung des Weltbildes ist eine Folge der sequentiellen Wirkungsweise des menschlichen Hirns. Es ist nicht in der Lage, komplexe, rückgekop­pelte Ereignisse simultan zu erfassen.

Diese beschränkte, artspezifische Weltanschauung liegt allen bisher bekannten Kategorialsystemen und Glaubenssätzen zugrunde, aus denen die sichtbare Welt des gesellschaftlichen Lebens sekundär hervorgegangen ist. Durch die existentielle Rückkopplung, z.B. durch den psychomentalen Anpassungszwang, prägen diese verkehrten Ideen der irdischen Menschheit, die aus dem Astralbereich kommende, neu inkarnierte Persönlichkeit seit ihrer Geburt, so dass sie außerstande ist, aus sich heraus eine korrekte individuelle Weltanschauung aufzubauen, die mit ihrem latent vorhandenen Astralwissen in Einklang steht.

Dies ist der Hauptgrund, warum alle philosophischen und trivialen Gedankensysteme, welche die Menschheit in ihrer Geschichte hervorgebracht hat und die in ihrer überwiegenden Mehrheit redundante, epigonenhafte Überlieferungen und Zusammenfassungen vergangener Ideen sind, auf eine fundamentale Weise falsch sind. Das vorliegende Buch (und die Tetralogie) hat anhand prägnanter Beispiele aus der Physik, Philosophie, Wirtschaft und Politik aufgezeigt, wie diese Aberrationen im menschlichen Weltbild aus der Grundidee des Getrenntseins entstanden sind und auf welche Weise sie zur kollektiven Verwirrung der Menschheit, die zur Zeit exponentiell zunimmt, geführt haben.

Die Vorstellung vom Getrenntsein ist eine grundlegende Erfahrung im inkarnierten Zustand und eine Folge der Amnesie der Menschen, die ihnen die Wahrnehmung der Synchronisation und Simultaneität (Gleichzeitigkeit) des astralenergetischen Geschehens, das für alle beobachteten Phänomene der 3d-Raumzeit ursächlich ist, verwehrt. Indem der Mensch einen Zusammenhang zwischen zwei oder mehreren Ereignissen willkürlich herstellt, muss er automatisch zwei Kategorien von Phänomenen bilden: Ursachen und Wirkungen, wobei stillschweigend akzeptiert wird, dass jede Ursache eine Wirkung sein kann und umgekehrt, ohne jedoch diese Erkenntnis bis zum Ende durchzudenken und weltanschaulich zu verinnerlichen. Das gesamte gewöhnliche und wissenschaftliche Denken der Menschen wird zurzeit maßgeblich vom Kausalitätsgedanken und von der Überzeugung, dass die Ereignisse voneinander gesondert ablaufen, geprägt.

Die Idee vom Getrenntsein aller Phänomene wird von der Körperlichkeit des Menschen gefördert und ist die primäre geistige Ursache für alle Kriege, Greueltaten, Grausamkeiten und andere Manifestationen des vermeintlichen „Bösen“ auf dieser Welt. Man sieht die Ursache für das „Böse“ stets gesondert von der eigenen Identität und nicht als Projektion und Ergebnis des eigenen Denkens. Indem der Mensch das Böse auf eine kriegerische Weise in der Außenwelt bekämpft, sieht er keine Notwendigkeit, sich mit den eigenen falschen Vorstellungen auseinanderzusetzen, welche die Idee von der Existenz des Bösen erst hervorgebracht haben. Bei dieser Auffassung handelt es sich um eine Halluzination der menschlichen Wahrnehmung, die erst durch die konventionelle Vorstellung von der 3D-Raumzeit hervorgerufen wird.

Demnach wird die Raumzeit in zwei Konstituenten, Raum s und Zeit f (z.B. als Frequenz), durch die Arretierung der Zeit im Kopf gedanklich getrennt, so dass die Welt auf zweierlei Weise vernommen wird: als dynamische Entität, als Energieumwandlung, wenn die Konstituente Zeit im Vordergrund steht und als statische Entität, wenn der Raum im Vordergrund steht, wobei die beiden Begriffe, Raum als Entfernung gedacht und konventionelle Zeit t =1/f, ein und dieselbe physikalische Größe sind: t = s. Die Geschwindigkeit v ist die universale Observable der Bewegung, die wiederum die universale Manifestation der Energieumwandlung (Urbegriff) ist, E ~ v; sie ist somit eine künstliche physikalische Größe, die aus dem Quotienten der beiden identischen Größen gebildet wird: v = s/t. Erkenntnistheoretisch ist die Geschwindigkeit daher eine unsinnige physikalische Größe, die zur Verschleierung der energetischen Realität führt und nicht etwa zu seiner Klärung, wie man in der Physik irrtümlicherweise glaubt. Nur innerhalb des alltäglichen Lebens hat die Geschwindigkeit eine praktische Berechtigung.

Die substantiell-energetische Betrachtungsweise in der Physik, die als Teilchen-Wellen-Dualismus der Quantenphysik eine Berühmtheit erlangt hat, ist auf diese künstliche Trennung des Urbegriffs in zwei Konstituenten (U-Untermengen) zurückzuführen und hat vor allem das Konzept der Materie hervorgebracht. Die späte Erkenntnis der Relativitätstheorie, dass Materie Energie ist, hat an dieser grundlegenden, alles beherrschenden materialistischen Auffassung nichts geändert – der Materialismus bleibt das unumstrittene weltanschauliche Fundament, auf dem der wissenschaftliche Empirismus zur Zeit gedeiht.

Die statisch-dynamische Sichtweise der Welt ist von entscheidender Bedeutung für das Verständnis der gnostischen Struktur der menschlichen Sprache, wie wir in diesem Kapitel zeigen werden. Diese Sichtweise wird durch die Beschränktheit der menschlichen Sinne entscheidend gefördert. In dieser Hinsicht spielen die optischen Daten eine zentrale Rolle, weil sie die externe Wirklichkeit als eine Ansammlung aus getrennten Gegenständen mit Form, Volumen und Oberfläche erscheinen lassen. Dieser Umstand hat den Menschen zu einem „Augentier“ gemacht, das nicht in der Lage ist, jenseits der sichtbaren, optischen Welt zu schauen (1).

Zudem werden alle Sinnesdaten ausnahmslos von den Gefühlen des Individuums moduliert, so dass es praktisch keine externen Daten aus der materiellen Welt gibt, die nicht psychisch gefärbt sind. Bei dieser Modulation, die automatisch und vom Tagesbewusstsein weitgehend unbemerkt abläuft, spielt die Angst als eine destruktive Interferenz zur Herstellung von niederfrequenten Gefühlsmustern eine zentrale Rolle. Die Angst, von der es viele Ausprägungen gibt, verzerrt maßgeblich die Sinnesdaten, die ihrem Wesen nach wertneutral sind. Diese verzerrten psycho-sensorischen Daten stehen nun dem menschlichen Verstand zur Verfügung, aus denen er seine erfahrungsbedingten Erkenntnisse über die dreidimensionale Wirklichkeit gewinnt.

Wäre der Verstand in seiner kognitiven Funktion ausschließlich auf diese beschränkten und verzerrten Daten angewiesen, hätte er den Teufelskreis der irdischen Halluzinationen und Illusionen aus eigener Kraft niemals durchbrechen können, um transzendente Kenntnisse zu erlangen. Zum Glück ist der menschliche Verstand, möge er zur Zeit noch so beschränkt erscheinen, eine Funktion, eine Individuation des Geistes der 7F-Schöpfungsbereiche und hat jederzeit Zugang zum allumfassenden transzendenten Wissen der Astralwelten, das er aus der unmittelbaren Erfahrung in der dreidimensionalen Raumzeit nicht gewinnen kann.

Dieses, stets zugängliche gnostische Wissen entspricht den a priori synthetischen Urteilen bei Kant und widerlegt das vorherrschende Dogma in der Wissenschaft und im Alltagsdenken, demzufolge alle Erkenntnis aus der Erfahrung komme, als falsch und agnostisch. Gerade weil der Verstand stets einen Zugang zum transzendenten Wissen hat, ist er in der Lage, die psychischen Verzerrungen der sinnlich-materiellen Daten zu entwirren und zu berichtigen. Dies ist die Hauptaufgabe, die sich die Seele während ihrer Inkarnation in der 3D-Raumzeit stellt und auf vielfältige Weise löst.

Zum erzieherischen Repertoire der Seele zählen Begegnungen und Auseinandersetzungen mit anderen inkarnierten Seelen, die in verwandtschaftlichen oder freundschaftlichen Beziehungen zueinander stehen, schicksalhafte Ereignisse, Krankheiten, politische und andere gesellschaftlichen und naturbedingten Erfahrungen, und so weiter. Diese Erlebnisse bilden den Erfahrungsbereich der 3D-Raumzeit. Dieses dreidimensionale Erfahrungsgeflecht prägt nachhaltig die Psyche und den Verstand, die offene, extrem formbare astral-energetische Systeme sind; es stellt sozusagen die pädagogischen Rahmenbedingungen dar, innerhalb derer sich die inkarnierte Persönlichkeit als eine Gesamtheit aus Gedanken, Gefühlen und Handlungen entfaltet.

Das transzendente Wissen, das die inkarnierte Persönlichkeit unbedingt braucht, um sich in der physischen Welt zurechtzufinden und die Phänomene, die sie mit den Sinnen wahrnimmt, einzuordnen, damit sie die vorgefundene Wirklichkeit umgestalten kann, wird von der Seele auf vielfältige Weise vermittelt. Ich habe in diesem Buch ausführlich dargelegt, dass sich die Seele bevorzugt durch Gefühle artikuliert: Die Psyche ist die äußere Erscheinungsform der Seele, so dass Emotionen eine eminent wichtige Informationsquelle für den Verstand sind. Werden die ursprünglichen Gefühle vom Verstand unverfälscht wahrgenommen und interpretiert, dann weiß er auf eine untrügliche Weise, was die Seele ihm mitteilen will. Dies setzt freilich voraus, dass der Verstand die führende Rolle der Seele uneingeschränkt akzeptiert.

Die allgemein verbreitete Auffassung, dass die Gefühle den Menschen oft betrügen und irreleiten, ist eine häufige mentale Ausprägung der Angst, die unweigerlich zur Schlussfolgerung führt, dass man der Seele nicht trauen darf. Dieses Misstrauen gegenüber der eigenen Seele ist eine typische Eigenschaft der Jungseelenmentalität, die nur im Zustand der totalen Amnesie gedeihen kann, und findet aus diesem Grund eine breite Erörterung in den vier Evangelien.

Eine zentrale Botschaft Jesu Christi ist: Die Menschen sollten sich nicht grämen und Sorgen über die Zukunft machen, denn dadurch werden sie keine einzige existentielle Herausforderung aus der Welt schaffen; vielmehr sollten sie mehr Vertrauen im „Vater im Himmel“, also in ihren Seelen und in der Folgerichtigkeit jeder irdischen Erfahrung haben.

Da das irdische Leben zur Zeit weitgehend auf Lug und Betrug aufbaut, wobei es sich in den meisten Fällen um Selbstbetrug handelt, extrapoliert der Verstand der tonangebenden jungen Seelen diese negative existenzielle Erfahrung auf die Seele und auf ihren Umgang mit der inkarnierten Persönlichkeit. Aus diesem Grund können die Gefühle erst dann zu einer echten Quelle der Erkenntnis werden, wenn man alle Ängste abbaut und bereit ist, uneingeschränkt der Seele zu vertrauen – das heißt, man ist bereit, ihre allumfassende Macht zu akzeptieren. Indem man lernt zu akzeptieren, also geschehen zu lassen, erlangt man automatisch die Macht der Seele, bzw. des Geistes und handelt dementsprechend.

Diese Erkenntnis ist eine häufig zitierte gnostische Botschaft und Empfehlung vieler esoterischer Schriften und gechannelter Texte. Das weit verbreitete Phänomen des Mönchtums christlicher, moslemischer oder buddhistischer Prägung versucht, diese fundamentale gnostische Erkenntnis anhand eines bestimmten Lebensstils in die Tat umzusetzen. Ich habe hier lediglich eine einwandfreie Begründung für dieses zentrale psychische Phänomen in der Religion und im Alltagsleben geliefert, das im Mittelpunkt diverser menschlicher Lebensstrategien steht.

Leider werden die Gefühle zurzeit durch die Angst und angstbedingte Gedanken extrem deformiert und falsch gedeutet, so dass der moderne Mensch diese gnostische Quelle überhaupt nicht nutzt. Es entsteht aus der Sicht der Seele ein erzieherisches Defizit bei der inkarnierten Persönlichkeit, das die Seele nur durch schicksalhafte Erfahrungen (Karma) wettmachen kann. Solche Ereignisse und Begebenheiten, die eine symbolhafte Externalisierung der innerseelischen Realitäten in die 3D-Raumzeit darstellen, fördern die Psyche und den Verstand auf eine sehr wirkungsvolle und intensive Weise, beispielsweise durch die Schaffung existenzbedrohlicher Bedingungen, die eine Einengung der Entscheidungsfreiheit herbeiführen und heftige emotionale Reaktionen bei der betreffenden Person auslösen.

Im erweiterten philosophischen Sinne sind alle Erfahrungen der inkarnierten Persönlichkeit in der 3D-Raumzeit ein Teil der menschlichen Gnosis, unabhängig davon, ob sie bewusst verarbeitet werden, wie ich es im vorliegenden Buch exemplarisch vorführe, oder die Persönlichkeitsstruktur auf eine unbewusste, jedoch nicht minder effiziente Weise verändern. Da der Mensch eine psychomentale Einheit ist, geht die Entfaltung der Psyche und des Verstands stets Hand in Hand. Indem der Mensch sein abstraktes gnostisches Wissen erweitert, entwickelt er seine Fähigkeit zu transpersonaler Liebe und Verständnis, weil er erkennt, dass er nicht ein Spielball des Schicksals, präziser gesagt, der Seele ist, sondern ein bewusster und autarker Schöpfer unter den Bedingungen der dreidimensionalen Körperlichkeit. Die Verinnerlichung dieser Erkenntnis im Denken und Handeln ist Gnosis in Vollendung.

Auf diese Weise betätigt sich die Seele als Schöpfer der psychomentalen Charakteristika der inkarnierten Persönlichkeit und gibt ihr die Möglichkeit, sich während des Inkarnationszyklus zu entfalten, bis sie die allumfassende Bewusstheit und Liebe – als psychischer Ausdruck der konstruktiven Interferenz – der Astralwelten erlangt. Somit steht dem menschlichen Verstand die Bewusstheit der Seele als Potential stets zur Verfügung. Dieses Potential kann nicht innerhalb einer Inkarnation erreicht werden: Daher die Notwendigkeit mehrerer Inkarnationen, bei denen die Seele jeweils an einzelnen Eigenschaften und Fähigkeiten des Verstandes und der Psyche laboriert und sie Schritt für Schritt zur Entfaltung bringt.

Auch wenn eine Seele ihren Inkarnationszyklus beenden kann, ohne den menschlichen Verstand zur vollen Bewusstheit zu verhelfen, wie in den letzten zwei-dreitausend Jahren auf der Erde der Fall war, so heißt dies keineswegs, dass der Mensch die allumfassende Bewusstheit der Seelenwelten zu Lebzeiten nicht erlangen kann. In diesem Fall muss die inkarnierte Persönlichkeit den langwierigen Weg des Lichtkörperprozesses durchschreiten, bei dem die Psyche und der Verstand auf die Bewusstheit und Liebesfähigkeit der Seele energetisch ausgerichtet werden. Bei diesem Totalumbau von Körper, Psyche, Chakren und Verstand, der mit einem Phasenübergang vom organischen Körper zum Lichtkörper, also mit einem Aufstieg abgeschlossen wird, entfaltet sich die irdische Persönlichkeit zur „multidimensionalen Persönlichkeit“. Wie ich in der Gnosis ausführlich erläutere, umschreibt dieser Begriff die energetische Vereinigung des Menschen mit seiner Seele.

Im entkörperten Zustand verfügt die multidimensionale Persönlichkeit über telepathische Fähigkeiten, die eine Manifestation ihrer allumfassenden Bewusstheit sind. Sie kann durch direktes Erkennen sowohl die Gedanken als auch die Gefühle einer anderen entkörperten oder inkarnierten Persönlichkeit wahrnehmen und nachvollziehen. Diese allumfassende Bewusstheit kann die multidimensionale Persönlichkeit nun in der 3D-Raumzeit der Erde zum Ausdruck bringen, indem sie sich als Lichtgestalt zeigt. Sie wird zum Boten der Astralwelten.

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Aufgrund der Beschränktheit der Sinneswahrnehmungen und der Überbetonung der Angstdimension im Denken hat die inkarnierte Persönlichkeit zurzeit keine unmittelbare Kenntnis von den Gedanken, Gefühlen und Sinneswahrnehmungen einer anderen Person. Aus den oben diskutierten Gründen hat sie sogar erhebliche Schwierigkeiten, ihre eigenen Gedanken und Gefühle zu erkennen, nachzuvollziehen und mitzuteilen.

In beiden Fällen ist sie darauf angewiesen, ihre Gedanken, Gefühle und Sinneseindrücke verbal, bildlich oder mit Gesten mitzuteilen, wobei die Gesten uns in der vorliegenden Erörterung nicht weiter beschäftigen werden. In der Abwesenheit telepathischer Fähigkeiten ist die Sprache das wichtigste Medium zur Mitteilung und zum Austausch von Informationen und Erkenntnissen: Menschliche Gnosis und Philosophie sind ohne Sprache undenkbar.

Menschliche Gnosis ist daher vom Wesen der Sprache nicht zu trennen: Alle Eigenschaften, Möglichkeiten und Beschränkungen, welche die Sprache als Informationsmedium mit sich bringt, bestimmen den Umfang, die Art und Weise der menschlichen Erkenntnis. Aus diesem Grund werde ich in diesem Kapitel mein Augenmerk auf die strukturellen Besonderheiten der Sprache richten und sie im Sinne der neuen Gnosis abhandeln.

Bevor ich fortfahre, muss ich vorab feststellen, dass die modernen Theorien der Linguistik diesen neuartigen Ansatz nicht kennen. Obwohl die vielen, zum Teil sehr obskuren sprachwissenschaftlichen Theorien, die wir zur Zeit vorfinden, unter dem Einfluss des Neopositivismus fast ausnahmslos das Prädikat des „Strukturalismus“ für sich in Anspruch nehmen, beziehen sich ihre Untersuchungen zur Struktur der Sprache ausschließlich auf historische und hermeneutische Aspekte der Wortbildung, Semantik und Grammatik. Gerade weil sie geistige Ableger des Neopositivismus sind, und diese philosophische Richtung, wie bereits erörtert, erst durch den Verzicht auf metaphysische und transzendente Erkenntnisse entstanden ist, vernachlässigen die Sprachtheorien der Gegenwart die erkenntnistheoretische, gnostische Dimension der Sprache, die nur innerhalb der Philosophie und Physik adäquat erörtert werden kann, und sprechen ihrem Anspruch der Wissenschaftlichkeit Hohn.

Wie die meisten Wissenschaften der Gegenwart, entstand die moderne Sprachwissenschaft   erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als Saussure (Genfer Schule), die historisch vergleichende Betrachtung der Sprachen im Sinne einer Entwicklungsgeschichte (z.B. die Schule der Junggrammatiker) um die synchrone Dimension erweiterte (Diachronie und Synchronie der Sprachlehre). Er vertrat die Ansicht, dass die Sprache, so wie sie in einem gegebenen Zeitpunkt vorliegt, ein „système où tout se tient“ ist, ein Gefüge, dessen Elemente gegenseitig voneinander abhängen und sich gegenseitig erklären. Er verglich die Sprache mit dem Schachspiel. Mit seiner berühmten Formel „La langue est une forme et non une substance“, legte Saussure den Grundstein für die strukturelle Linguistik.

Sausssures Auffassung von der Sprache verdeutlicht sowohl seine intuitiv-korrekte Idee von der Sprache als einer Axiomatik zur Bildung von Begriffen und Kategorialsystemen, die U-Mengen sind und sich als Element enthalten und gegenseitig bedingen, als auch den grundlegenden Irrtum der strukturellen Linguistik, die Sprache losgelöst von ihrer erkenntnistheoretischen Dimension zu betrachten. Indem die Sprache, unabhängig von der physiologisch-physischen Tätigkeit der Sprachwerkzeuge, als ein System aus akustischen Zeichen betrachtet wird, in dem das einzig Wesentliche die Verknüpfung von Bedeutung und Lautbild ist (Semantik), begreift die strukturelle Linguistik nicht, dass die Sprache an erster Stelle ein spezifisches energetisches Informationsmedium ist, mit dem das transzendente Wissen der geistig-seelischen Bereiche in die Körperlichkeit der 3D-Raumzeit übersetzt wird.

Gnostisches Wissen ist ein astral-energetisches Phänomen, die Sprache stellt hingegen eine energetische Transformation und Verdünnung dieses Wissens in die Körperlichkeit der physischen 3D-Raumzeit dar. Während das transzendente Wissen der 7F-Schöpfungsbereiche simultan, unmittelbar und allumfassend ist, ist die sprachlich vermittelte Erkenntnis sequentiell, indirekt, beschränkt und somit energetisch verdünnt. Diese Transformation des a priori Wissens, das dem menschlichen Geist jederzeit zur Verfügung steht, wird durch die Struktur der Sprache bewerkstelligt:

Sprache ist ein dreidimensionales energetisches Medium zur Informationsübertragung, das die Seele speziell entwickelt hat, um die Kommunikation der inkarnierten Seelen im Zustand der Amnesie und in der Abwesenheit telepathischer Eigenschaften zu ermöglichen.

Nur unter diesem energetisch-physikalischen Gesichtspunkt können die strukturellen Eigenschaften der Sprache sinnvoll untersucht werden, um ihre gnostische Beschränktheit herauszubringen.

Aus dieser übergeordneten Sichtweise werde ich im Folgenden zeigen, dass die menschliche Sprache sowohl über alle energetischen Voraussetzungen verfügt, das transzendente Wissen der 7F-Schöpfungsbereiche adäquat in die physikalische 3D-Raumzeit zu übersetzen, als auch von der Seele gezielt eingebaute strukturelle Charakteristika aufweist, welche die Illusion von der ausschließlichen, dreidimensionalen raumzeitlichen Existenz des Menschen aufrechterhalten. Wir beginnen unsere Diskussion mit den Bedingungen, die eine energetische Kongruenz zwischen der Sprache als einem physikalischen Informationsmedium und den 7F-Schöpfungsbereichen als organisierter Energie, organisiertem Geist (Wissen), gewährleisten und eine eindeutige Zuordnung der Wörter als akustische Zeichen zu den Gedanken, die astral-energetische Phänomene sind, ermöglichen.

Nach dem Prinzip der letzten Äquivalenz ist der Urbegriff, aus dem alle Sprachen hervorgehen, identisch mit dem Allganzen, das sowohl die Raumzeit als auch die 7F-Schöpfungsbereiche einschließt, auch wenn wir die letzten zunächst nicht bewusst wahrnehmen können. Dieser gemeinsame Ursprung aller Sprachen befähigt sie als ein adäquates Medium zur Übersetzung und Übertragung vom gnostischen Wissen und zur Kommunikation im inkarnierten Zustand.

Innerhalb des Urbegriffs beginnt die eigentliche Struktur der Sprache, die nach demselben Prinzip aufgebaut ist wie die Untermengen des Allganzen, die in der neuen Axiomatik als Ebenen definiert werden: Die Protonenebene besteht zum Beispiel aus gleichartigen Protonen mit konstanter Ruhemasse (Energie) und Compton-Frequenz (2).

Die Ebenen der Raumzeit sind abstrakte Kategorien, die aus gleichartigen Systemen gebildet werden, obwohl in Wirklichkeit keine zwei Systeme vollkommen gleich sind. Es handelt sich um eine Übereinkunft, die eine Strukturierung und Erkennung der äußeren Welt erst möglich macht. Ich habe diesem fundamentalen Aspekt der menschlichen Kognition einen breiten Raum im Band 1 gewidmet, indem ich das Wesen der abgeschlossenen reellen Zahlen und der transzendenten Zahlen ausführlich diskutiert habe.

Dasselbe Problem taucht nun bei der Bildung von sprachlichen Begriffen auf: Sie werden auf dieselbe Weise als annähernd gleichartige U-Untermengen des Urbegriffs gebildet und haben daher stets ein Korrelat in der realen physikalischen Welt. Auf diese Weise wird die energetische Kongruenz zwischen den astralen Ideen (Gedanken) und ihren korrespondierenden dreidimensionalen Phänomenen, die die inkarnierte Persönlichkeit mit ihren beschränkten Sinnen wahrnehmen kann und zum Gegenstand der Sprache macht, gewährleistet.

Diese eindeutige Zuordnung der menschlichen Begrifflichkeit zu den ursprünglichen, für die menschliche Existenz ursächlichen astral-energetischen Ideen erfordert eine eingehende Erörterung aus erkenntnis­theoretischer Sicht, obwohl sie von mir im Band 1 und Band 2 bei der Begründung der neuen physikalisch-mathematischen Axiomatik bereits ausgiebig abgehandelt wurde, allerdings nicht unter dem Gesichtspunkt der Sprachwissenschaft.

Ich habe gezeigt, dass die Sprache ein Kategorialsystem ist, und dass jeder sprachliche Begriff einen mathematischen Hintergrund hat. Dies kommt deutlich zum Ausdruck in der neuen Raumzeit-Symbolik, die ich entwickelt habe: Der sprachlich-deskriptive Ausdruck des Urbegriffs als „Raumzeit“ lässt sich ebenso gut mathematisch darstellen als:

[Raumzeit] = [Raum]x[Zeit] = s f = s/t = v.

Diese Gleichung (letzte Äquivalenz) beweist den gemeinsamen Ursprung der Mathematik und der Sprache. Die Mathematik ist ein axiomatisches Kategorialsystem, das aus abstrakten Zeichen wie Zahlen und Relationszeichen besteht, die ebenso gut mit Wörtern ausgedrückt werden können, ohne dass es sich am Wesen der Mathematik etwas ändern würde. Diese Tatsache erklärt die prinzipielle Möglichkeit, die Sprache zu mathematisieren und umgekehrt: Die Mathematik als ein System aus sprachlichen Begriffen darzustellen.

Obwohl bereits Russell auf die Tatsache hingewiesen hat, dass die Mathematik eine Verlängerung der Logik mit Hilfe von abstrakten Zeichen ist, konnte die mathematische Natur der Sprache erst mit der Entwicklung der neuen Axiomatik eindeutig und allumfassend demonstriert werden. Ich habe bewiesen, dass die Raumzeit, als externe physikalische Welt aufgefasst, mathematischer Natur ist: Alle bekannten physikalischen Gesetze sind mathematische Gleichungen, die Ableitungen des Universalgesetzes sind, wobei das Universalgesetz die mathematische Hülse des Urbegriffs als Dreisatz ist.

Die Raumzeit, das Allganze, ist organisierte Energie – es ist Geist.

Wie erklären sich nun die inhärenten logischen und semantischen Schwächen und Fehler der menschlichen Sprache, die zu vielen falschen Erkenntnissen und Schlussfolgerungen führen und die Entstehung unzähliger, widersprüchlicher, sich gegenseitig ausschließender philosophischer, religiöser und wissenschaftlicher Theorien – von den gewöhnlichen Meinungen einmal abgesehen – ermöglicht haben? Mit anderen Worten, welche strukturellen Eigenschaften der Sprache haben zum gegenwärtigen Wirrwarr der menschlichen Erkenntnisse geführt, wenn wir davon ausgehen, dass menschliche Erkenntnis nur durch die Sprache vermittelt werden kann? Diese kardinale gnostische Frage wird nun zum ersten Mal in der Geschichte der Philosophie und der Linguistik eindeutig und erschöpfend gelöst.

Es gibt hauptsächlich drei Irrtumsquellen, welche die eindeutige Zuordnung des astral-energetischen Wissens in sprachliche Begriffe verzerren und verfälschen:

  1. Die Bildung von Begriffen, die N-Mengen sind.
  2. Die Bildung von Denksystemen wissenschaftlicher oder trivialer Art, die von den Einzeldingen (U-Untermengen des Urbegriffs) ausgehen und das Wesen des Urbegriffs weder kennen, noch implizit berücksichtigen.
  3. Die Angst, die das logische Denken auf eine allumfassende und unbewusste Weise verzerrt und verfälscht.

Darüber hinaus gibt es prinzipielle strukturelle Charakteristika der Sprache, die vom Wesen der Raumzeit herrühren und eine Vorbedingung für die halluzinatorische Wahrnehmung der Raumzeit sind, diese als ein kausales, sequentielles Geschehen aus räumlich und zeitlich gesonderten Objekten und Phänomenen zu erfahren. Wir beginnen mit den Hauptursachen für die logischen, semantischen und kognitiven Fehler, die sich bei der gegenwärtigen Anwendung der Sprache als universales Informationsmedium einschleichen und eine wahrheitsgetreue Kommunikation unter den Menschen verhindern.

Da die meisten Menschen, die sich zur Zeit auf der Erde inkarnieren, junge Seelen sind und in einer weitgehend vollständigen Amnesie bezüglich ihres astralen Ursprungs leben, betrachten sie sich als gesonderte, abgetrennte Wesen. Diese existentielle Empfindung führt zur Bildung von Gedanken und Begriffen, die N-Mengen sind und sich als Element ausschließen (N-Begriffe).

Ich habe bewiesen, dass solche Begriffe das logische Denken verhindern und dem Aufbau einer Axiomatik im Wege stehen. N-Begriffe treten sowohl im gewöhnlichen Denken als auch in der wissenschaftlichen Argumentation auf. Als Denkmuster prägen sie nachhaltig das Verhalten der Menschen.

Ein weit verbreiteter Gedanke als N-Begriff ist, dass das Leben ein Mangelzustand ist: Es gibt zu wenig Liebe, zu wenig Geld, zu wenig Glück, die Ressourcen der Erde sind knapp usw. Daraus resultieren diverse Verhaltensmuster, die das Leben entscheidend gestalten. Es gibt zu wenig Geld, also muss man Geld für das Alter sparen; es gibt zu wenig Gesundheit, also muss man Geld für den Krankheitsfall beiseite legen. Daraus werden solche überflüssigen Strukturen wie Renten- und Krankenkassen gegründet und begründet. Die Rohstoff-Reserven der Erde sind zu knapp, also unterhält man große Armeen und Militärbündnisse und führt Kriege wie in Irak, um sich energetisch abzusichern und so weiter, und sofort.

Analysiert man die psychomentalen Ideen, worauf solche Institutionen aufbauen, dann erkennt man rasch, dass es sich hierbei ausschließlich um angstbedingte Gedanken handelt. Die Bildung von N-Begriffen ist eine Manifestation der Angst: Man kann die beiden Fehlerquellen 1. und 3. nicht voneinander trennen – sie sind U-Mengen und enthalten sich als Element.

Der grundlegende psychomentale N-Begriff, der alle anderen, sich als Element ausschließenden Vorstellungen hervorruft, ist die Angst vor dem Tod. Die Idee von der Vergänglichkeit der menschlichen Persönlichkeit und Identität nach dem Tode ist die Ur-N-Gedanke der Menschheit im jetzigen Stadium ihrer seelischen Entfaltung. Erst wenn der menschliche Verstand die ewiggültige Existenz der Seele und der individuellen Persönlichkeit anerkennt und verinnerlicht, kann er sich auch von allen anderen N-Gedanken restlos freimachen.

Aus diesem Grund reicht die Entwicklung der neuen Axiomatik und Theorie des Universalgesetzes nicht aus, um die Menschen zum logischen Denken und Handeln zu bewegen. Sie können erst durch eine Demonstration der Unsterblichkeit der Seele, also durch den Aufstieg einer Person mit allen Begleit­erscheinungen wie einer Weltwirtschaftskrise davon überzeugt werden. Erst dann werden sie bereit sein, ihre Ängste zu überwinden und sich von vielen lieb gewonnenen N-Ideen des Getrenntseins zu trennen. Dies ist der eigentliche energetische Hintergrund des unmittelbar bevorstehenden Evolutionssprungs.

Nachdem wir Punkt 1. und 3. besprochen haben, bleibt nur noch Punkt 2. Wie ich in der Tetralogie ausführlich dargelegt habe, gehen alle bisher bekannten wissenschaftlichen, philosophischen und trivialen Gedankensysteme von Begriffen und Kategorien aus, die U-Untermengen des Urbegriffs sind, um daraus andere Gedanken und Ideen einzuführen und zu begründen. Dieser Circulus vitiosus ist besonders ausgeprägt in der Physik, in der alle physikalischen Größen anhand anderer willkürlich eingeführten physikalischen Größen definiert werden und nicht vom Urbegriff her. Dies hat zur besagten kognitiven Blindheit der Physik gegenüber ihrer Begrifflichkeit und ihrem Studienobjekt geführt.

Diese Vorgehensweise ist nicht nur in der Wissenschaft vorherrschend, sondern auch im Alltagsdenken. Es ist beklemmend zu beobachten, wie die Politiker am Vorabend der größten Weltwirtschaftskrise die obskursten Ideen entwickeln und verkünden, wie die angeschlagenen Staatsfinanzen saniert und die Gesellschaft reformiert werden sollten, indem sie stets von partikulären, nebensächlichen Problemen entsprechend ihres begrenzten Wahrnehmungshorizonts ausgehen, um großspurige Pauschallösungen anzubieten. Je lautstärker eine Reform als nachhaltig gepriesen wird, umso kurzlebiger und wirkungsloser erweist sie sich im Nachhinein. Bezeichnenderweise ist dieser begriffliche Agnostizismus, der sich als sprachliche Kakophonie in der Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und im Alltag offenkundig macht, kein Studienobjekt der modernen Semantik und Linguistik, und erst recht nicht der modernen Logik.

Aus der Diskussion der drei Quellen einer fehlerhaften Begrifflichkeit folgt, dass eine kongruente Umsetzung des astral-gnostischen Wissens in die menschliche Sprache, die Fähigkeit zum Aufbau von axiomatischen Kategorialsystemen voraussetzt, deren Begriffe sich ohne Ausnahme aus dem Urbegriff ableiten lassen und U-Untermengen sind. Das Problem, dem man dabei begegnet, ist, dass man mit bereits existierenden Sprachen zu tun hat, und diese entwicklungsgeschichtliche Strukturen aufweisen, die nur so vor kognitiven, semantischen und logischen Fehlern strotzen und für jedwede Korrektur logischer Art sehr unempfänglich sind.

Diese Refraktärität liegt weniger an den Sprachen selbst, denn ich habe anhand drei sehr unterschiedlicher Sprachen wie Deutsch, Englisch und Bulgarisch bewiesen, dass eine vollständige Axiomatisierung aller Sprache prinzipiell möglich und sehr einfach ist, sondern am verkorksten Denken der Menschen, das sich hinter diesen Sprachen verbirgt.

Eine vollständige Axiomatisierung der Sprachen und ihre Bereinigung von allen logischen und semantischen Fehlern, die sie zurzeit offenbaren, erfordern zuallererst eine eingehende Analyse des Objekts der menschlichen Begrifflichkeit, die sich als Sprache artikuliert. Es gibt drei große existentielle Bereiche, die Objekte der Sprache sind:

1. Die Phänomene der äußeren physikalischen Welt, die man mit den Sinnen als Gegenstände, Prozesse, Handlungen usw. wahrnimmt.

2. Die Psyche, d.h., die Gesamtheit der Gefühle und Regungen, die sich sowohl als reine astrale Phänomene präsentieren, als auch in enger Assoziation mit den Phänomenen der äußeren physikalischen Welt auftreten.

3. Alle abstrakten und konkreten Gedanken und Ideen des Geistes, mit denen man die Wahrnehmungen der äußeren Welt und der Psyche ordnet, erklärt, in Verbindung bringt und übergeordnete Zusammenhänge herstellt.

Diese Objekte der menschlichen Begrifflichkeit werden zuerst in akustische Laute übersetzt und erst anschließend durch schriftliche Zeichen festgehalten, damit sie auch inkarnierten Seelen zugänglich sind, die nicht in einem direkten akustischen Kontakt stehen. Dieser Umstand erklärt die Entwicklung der gesprochenen Sprache zur Schriftsprache, die den Anschein einer intellektuellen Evolution der Spezies „Mensch“ im Verlauf der Geschichte suggeriert.

Sowohl die Zuordnung von bestimmten akustischen Lauten zu den einzelnen Begriffen, als auch ihre schriftliche Darstellung sind in Wirklichkeit von nachrangiger gnostischer Bedeutung, auch wenn sie den Hauptforschungsbereich der Linguistik bilden. Man kann prinzipiell jedem Begriff x-beliebige Laute zuordnen und diese werden unter einander gleichbedeutend sein. Dies erklärt die grundsätzliche kognitive Gleichwertigkeit aller Sprachen, die wir auf der Erde vorfinden. Gäbe es einen Unterschied, dann wären wir nicht imstande, fremde Sprachen zu erlernen oder zu übersetzen, und es gäbe auch keine Möglichkeit der Verständigung unter den einzelnen Sprachvölkern.

Diese prinzipielle Gleichwertigkeit aller Laute eines Begriffs folgt aus dem Prinzip der letzten Äquivalenz – aus dem Primäraxiom der neuen Axiomatik, mit dem der Urbegriff eingeführt wird. Wir erkennen erneut, dass der Urbegriff nicht nur der Ursprung der Mathematik und Wissenschaft ist, sondern auch der Ursprung aller Sprachen.

Aus einer übergeordneten Warte kann man die kognitive Gleichheit aller Sprachen mit der energetischen Einheit aller Seelen im Astralbereich begründen, die, obschon sich in unterschiedlichen Sprachgebieten inkarnieren, unablässig in einem telepathischen Kontakt miteinander stehen, so dass ihre Begrifflichkeit auf der astral-energetischen Ebene einen universellen Informations- und Kommunikationscharakter hat.

Man kann diesen Vorgang mit dem folgenden Beispiel aus dem Computerbereich illustrieren. Alle Computerprogramme basieren auf dem Binärcode, der aus elementaren elektromagnetischen Signalen besteht. Diese können wiederum weiter verarbeitet werden, so dass sie, je nach Bedarf, als akustische oder optische Signale erscheinen, wobei die optischen Signale wiederum als Schriftzeichen, Zahlen, Graphiken oder andere dreidimensionalen Formen auf dem Bildschirm dargestellt werden können. Dennoch haben alle diese Darstellungen einen gemeinsamen energetischen Ursprung: den elektromagnetischen binären Code.

Ähnlich verhält es sich mit den Sprachen: Der gemeinsame astral-energetische Ursprung ihrer Begrifflichkeit, die sich aus spezifischen Frequenzmustern zusammensetzt, erlaubt eine unendliche Vielfalt der akustischen Laute, optischen Schriftzeichen und Grammatikregeln, von denen die Gestaltung der einzelnen Sprachen abhängt. Ihrem Wesen nach, sind alle Sprachen kongruente axiomatische Abbildungen der ursprünglichen astral-energetischen Frequenzmuster und somit äquivalente, austauschbare gnostische Kategorialsysteme. Diese Erkenntnis vereinfacht unsere Betrachtungsweise der Sprachen ungemein und entwickelt die aktuelle Linguistik, die eine rein deskriptive Lehre ist, zu einer strengen, axiomatischen Disziplin.

Innerhalb der strukturellen Gestaltung der Sprachen ergeben sich auf den unterschiedlichen semantischen und grammatikalischen Ebenen vielfältige spezifische Möglichkeiten der Differenzierung und der Betonung einzelner gnostischer Aspekte. Ich werde hier einige markante strukturelle Eigenschaften der Sprachen abhandeln, ohne jedoch den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, nicht zuletzt deswegen, weil ich die sprichwörtlichen Korinthenkacker der Linguistik als abschreckendes Beispiel vor Augen habe.

Wir haben gesehen, dass der Ursprung aller Begrifflichkeit die Raumzeit als Urbegriff des menschlichen Denkens ist. Die Raumzeit wird durch die Arretierung der Zeit im Kopf in die beiden U-Untermengen, Raum und Zeit, aufgeteilt. Diesem Vorgang verdanken wir die Bildung aller Begriffe, die U-Untermengen des Urbegriffs sind. Indem man die dualistische, statisch-dynamische Betrachtungsweise der Dinge anwendet, werden entweder statische Begriffe, die mehr die räumlichen, topologischen Aspekte der U-Untermengen des Urbegriffs betonen, oder dynamische Begriffe, die den zeitlichen, der Energieumwandlung betreffenden Aspekten der Phänomene den Vorrang einräumen, gebildet.

Diese Trennung der Begriffe in statische und dynamische U-Untermengen des Urbegriffs wird auf der Ebene der Wortbildung und der Grammatik bewerkstelligt.

Die meisten Verben drücken den dynamischen Aspekt der Energieumwandlung, bzw. der Bewegung als der universalen Manifestation der Energieumwandlung aus. Wir sagen: „Die Erde tritt in Wechselwirkung mit der Gravitation der Sonne und dreht sich in elliptischer Bahn um diesen Stern“. In diesem Fall erfassen die zwei Verben, „in Wechselwirkung treten“ und „sich drehen“ konkrete Phänomene der Energieumwandlung.

Aus diesen Verben kann man nun Substantive (beachte, dass das Grundwort „Substanz“ der Inbegriff der statisch-substanziellen Sichtweise ist) auf der Ebene der Grammatik bilden: Aus dem Verb bzw. aus der Handlung „in Wechselwirkung treten“ wird das Substantiv „die Wechselwirkung“ und aus dem Verb „drehen“ – „die Drehung“ gebildet. Beide Substantive erfassen nunmehr nicht einen dynamischen Prozess, sondern das Ergebnis dieses Prozesses, das man als eine statische Entität erfasst. Wir sagen „die Wechselwirkung ist groß oder klein; sie ist eine Kraft, die wiederum dynamisch gemessen werden kann und einen statischen Wert von z.B. 20 Newton hat.“ Wir fragen beispielsweise: „Wie viele Drehungen macht der Motor?“ und erfassen die Drehungen nicht als Bewegung, sondern als abgeschlossene, zählbare Entitäten. Das gleiche gilt für folgende Aussagen: „Das Wasser fließt.“ und „Nur ein Fluss fließt durch dieses Tal.“ Das Fließen des Wassers ist nicht zählbar, sondern eine Bewegung; das Substantiv von diesem Verb „der Fluss“ wird hingegen als ein konkretes, zählbares Ding erfasst, so dass wir nun fragen können: „Wie viele Nebenflüsse hat der Rhein?“.

Wir sehen anhand dieser Beispiele, wie man auf der Ebene der Wortbildung entweder mehr den räumlichen oder den dynamischen, zeitlichen Aspekt der raumzeitlichen Phänomene betonen und auf diese Weise unzählige neue Wörter und Begriffe bilden kann. Diese Beispiele illustrieren die Plastizität der Sprache und ihr unendliches Potential, neue Wörter schöpferisch hervorzubringen. In dieser Eigenschaft gleicht die Sprache dem Allganzen, das eine unendliche schöpferische Entität ist. Das Allganze, der Urbegriff, ist organisierte schöpferische Energie – es ist Geist.

Diese Unterteilung der Begriffe setzt sich in die Grammatik auf eine vielfältige und komplexe Weise fort. Wir greifen einige wenige Beispiele heraus, die zugleich die Unterschiede der einzelnen Sprachen verdeutlichen. Manche Sprachen wie Italienisch (passato remoto), Französisch (passe simple) und alle slawischen Sprachen (abgeschlossene Form der Vergangenheit) weisen Zeitformen der Verben auf, die einen in der Vergangenheit abgeschlossenen, einmaligen Vorgang beschreiben. Diese Formen gibt es weder in Englisch, noch in Deutsch; dort kennt man nur Vergangenheitsformen der Verben, die keinen Unterschied machen, ob ein Vorgang nur einmal stattgefunden hat und in der Vergangenheit abgeschlossen wurde, oder ob die Handlung wiederholt auftritt und bis in die Gegenwart reicht. Wir sehen an dieses Beispiel, wie durch die Bildung von spezifischen grammatikalischen Formen den dynamischen Aspekt der Begriffe weiter differenziert und präzisiert wird.

Diese Differenzierung findet auch auf der Ebene der Satzbildung statt. In Deutsch kann man „eine Tasse auf den Tisch stellen“, aber „eine Gabel auf den Tisch legen“. Die äußere Form des Gegenstands bestimmt als Substantiv die Auswahl des Verbs. Diese Präzision in der Ausdrucksweise ist in Englisch oder in den slawischen Sprachen unbekannt: „you can put a cup or a fork on the table.“ Die deutsche Sprache unterscheidet weiterhin sehr genau, ob der Vorgang, der mit dem Verb erfasst wird, eine richtungweisende Bewegung darstellt, oder ob er sich ohne eine bevorzugte Richtung oder sichtbare Bewegung innerhalb eines umrissenen Raums abspielt: „Man legt den Teller auf den Tisch“ (Akk.), aber „der Teller liegt auf dem Tisch“ (Dat.). Mit Hilfe der Deklinationen wird der dynamische Aspekt der raumzeitlichen Abläufe weiter spezifiziert. Dagegen unterscheidet man in Englisch und Bulgarisch nicht, ob sich das Objekt als Substantiv in Bewegung oder in relativer Ruhe befindet. Man sagt: „I put the dish on the table” und „The dish lies on the table“; in Bulgarisch: „Az slagam chinijata na masata“ und „Chinijata lezi na masata“).

Diese Eigentümlichkeiten der deutschen Grammatik erfordern ein präzises räumliches, statisches Denken, das andere Sprachen wie Englisch, Italienisch und Bulgarisch nicht abverlangen. Aus diesem Grund fördert die deutsche Sprache die statische, auf äußere Formen bedachte Sichtweise der deutschsprachigen Bevölkerung, die auf Genauigkeit, Ordnung, äußere Gestaltung und Übersichtlichkeit ausgerichtet ist. Es ist kein Zufall, dass diese Eigenschaften bei den Deutschen stark ausgeprägt sind: Die Struktur der Muttersprache konditioniert maßgeblich das kollektive Volksverhalten.

Diese raumzeitliche Funktion der Sprache als prägende Kraft des menschlichen Verhaltens ist von der konventionellen Linguistik in dieser Form bisher nicht erkannt worden, weil diese Wissenschaft keine Ahnung von der Physik und der Psychologie – von der Psyche (Emotionalkörper) und dem Logos (Verstand, Geist, Mentalkörper) – als astral-energetische Phänomene hat.

Wir können unsere erkenntnistheoretische Analyse der Sprachstruktur selbstverständlich fortsetzen und beispielsweise die raumzeitlichen Aspekte der synthetischen Sprachen wie Latein und Altbulgarisch/ Kirchenslawisch mit denjenigen der analytischen Sprachen wie Englisch und Bulgarisch vergleichen und in Beziehung zu den Mischsprachen wie Französisch und Deutsch setzen, und daraus neue, wertvolle gnostisch-linguistische Erkenntnisse gewinnen. Dieses Vorhaben würde jedoch den Rahmen des vorliegenden Essays sprengen. Mein Ziel ist es nicht, die Linguistik als Wissenschaft neu zu verfassen, wie ich es für Physik und Biowissenschaft bereits getan habe, sondern lediglich einige neuartige Ausblicke zu zeigen, um die Sprachwissenschaftler zu inspirieren und sie aus ihrer gegenwärtigen mentalen Verkrustung zu befreien.

Wir haben also gesehen, dass die Sprache einerseits das innewohnende Potential hat, die astral-energetischen Phänomene adäquat zu erfassen und sie in die Dreidimensionalität der physikalischen Welt getreu umzusetzen, andererseits aber immanente strukturelle Barrieren enthält, die einer transzendenten Gnosis im Wege stehen und die Illusion von der Ausschließlichkeit der 3D-Raumzeit aufrechterhalten.

Die Sprache ist eine Abfolge akustischer Signale, die zeitlich nacheinander ausgesprochen werden und den Eindruck eines sequentiellen Ablaufs der verbalen Kommunikation entlang einer Zeitachse vermitteln. Durch die Grammatik wird zudem die Vorstellung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vertieft und verfestigt.

Da man innerhalb der Satzbildung nur eine bestimmte Ereigniskette aus der Gesamtheit aller Ereignisse sinnvoll und für alle Zuhörer verständlich schildern kann, wird durch die Sprache eine unvermeidliche Selektion der Ereignisse nach dem Kausalitätsprinzips vorgenommen. Die Grammatik und der Satzbau zwingen den Erzähler, alle Begriffe automatisch in zwei Kategorien einzuteilen: in Ursachen und Wirkungen. Das Subjekt ist die Ursache und das Objekt ist die Wirkung, die durch Verben und Präpositionen im Sinne der Energieumwandlung miteinander verknüpft werden. Innerhalb der Grammatik kann man die Kausalitätsrichtung mit Hilfe der passiven Verben umkehren – eine richtungweisende Sprachregel, die auf die Geschlossenheit der Raumzeit hinweist.

Die gröbsten logischen und semantischen Fehler finden nicht innerhalb der Wortbildung und des Satzbaus statt, sondern in der Verknüpfung von Aussagen und Sätzen zu umfassenden sprachlichen Kategorial­systemen. Dessen ungeachtet beginnen diese Fehler mit der Wortbildung und setzen sich in die mündlichen und schriftlichen Ausarbeitungen fort.

Nehmen wir zum Beispiel einen Begriff aus dem Bereich der Psyche wie die „Liebe“ (Diese Ausarbeitung der Liebe wurde als getrennte Publikation mit dem Titel “Was ist Liebe” bereits publiziert.). Liebe ist im energetischen Sinne eine konstruktive Interferenz aller psychischen Muster, die sich dem menschlichen Verstand als Gefühle oder Emotionen mitteilen. Liebe ist vergleichbar mit dem weißen Licht, das eine Mischung aus allen Farben des sichtbaren Spektrums ist. Man kann diese Farben durch optische Interferenzen aus dem weißen Licht herausfiltern und sie durch weitere gezielte destruktive Interferenzen sogar aus dem Farbspektrum löschen. Dieses physikalische Modell aus der Optik werden wir nun anwenden, um den „unfassbaren“ Bereich der Psyche begreiflich zu machen.

Wird ein Gefühl mit einem bestimmten Begriff erfasst, so ist es nicht möglich, seine Authentizität und Gleichartigkeit bei allen Menschen zu überprüfen. Es besteht keine Möglichkeit, das Gefühl objektiv zu erfassen und nachzuweisen, dass der Begriff stets für ein und dasselbe psychische Phänomen angewandt wird, wie dies bei der Erfassung von sichtbaren materiellen Dingen der Fall ist. Offensichtlich beinhaltet der Bereich der Psyche eine inhärente Undeterminiertheit, die sich nur sehr unvollkommen in Worten ausdrücken lässt. In der Tat, gibt es so viele verschiedene Gefühlsmuster wie individuelle Persönlichkeiten, deren auf der Astralebene vorgefertigte, einmalige psychische Struktur eine ebenso einzigartige Prägung durch die individuelle irdische Erfahrung erhält.

Nehmen wir erneut den Begriff der „Liebe“. Im energetischen Sinne vermittelt dieses Gefühl auf der psychomentalen und körperlichen Ebene die Empfindung einer konstruktiven Interferenz mit den 7F-Schöpfungsbereichen. Im Idealfall fühlt sich die Liebe als ein exstatisches Gefühl der Glückseligkeit an, das alle sieben Körperchakren energetisch öffnet und entgrenzt. Bereits diese Umschreibung verdeutlicht, wie unsicher die sprachliche Darstellung der Gefühle ist.

Die Ekstase ist ein energetischer Zustand, den nur wenige alte Seelen erreichen können, bei denen die dichtesten Schichten der Angst bereits abgebaut sind. Da die meisten Menschen junge Seelen sind und eine Ekstase noch nicht erlebt haben, können sie sich nichts Konkretes darunter vorstellen, auch wenn sie den Begriff theoretisch kennen.

Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an einen Professor in Heidelberg, der eine zweisemestrige Vorlesung über den Begriff des „Eros“ bei Platon hielt und sehr eloquent dieses, wie er sich auszudrücken pflegte, „eigentümliche und geheimnisvolle Gefühl“ in unzähligen Schattierungen und Redewendungen zu beschreiben versuchte, wobei es ihm deutlich anzumerken war, dass er weder die Ekstase des Eros, noch die geistig-somatische Berauschung, die eine aus dem Innersten der Seele sprudelnde Kreativität auslöst, jemals erlebt hatte und diese Vorlesung krampfhaft als Vehikel nutzte, um sich dem platonischen Eros rein intellektuell zu nähern, während dessen seine Zentren der Liebe, Spiritualität und Ekstase von der göttlichen Kraft der Seele völlig unberührt zu sein schienen.

Solche Verkrampfungen und Verrenkungen der Psyche beobachtet man sehr häufig bei gläubigen Menschen, die das Fehlen transzendenter, exstatischer Erfahrungen mit dem Göttlichen durch religiösen Eifer zu ersetzen versuchen, selten jedoch bei intellektuell-zentrierten Menschen, die bestrebt sind, ihre psychischen Defizite durch rein geistige Beschäftigungen zu kompensieren und den Gefühlen meistens keine Beachtung schenken.

Ähnlich verhält es sich mit der Liebe. Was man heutzutage unter Liebe versteht, sei es in der Literatur, Kunst oder im Alltagsleben, hat in den allermeisten Fällen nichts mit dem ursprünglichen astral-energetischen Phänomen der Liebe zu tun, sondern lediglich mit angstbedingten Interpretationen diverser Abhängigkeits­muster, die unter dem Begriff „Liebe“ zusammengefasst werden. Dieser Umstand erklärt die vielen Verwirrungen und Missverständnisse, die nirgendwo so massiv auftreten wie in den Liebesbeziehungen und Stoff für unzählige literarische Verarbeitungen liefern. Sogar dieses Buch bleibt nicht davon unberührt. Ich verwende des Öfteren den Ausdruck „bedingungslose Liebe“, um den Begriff von der gewöhnlichen Auffassung der Liebe zu unterscheiden, wohl wissend, dass ich dadurch eine Tautologie begehe: Echte Liebe ist stets bedingungslos.

Betrachtet man die Liebe als ein astral-energetisches Phänomen – eine andere wahrheitsgetreue Betrachtungsweise gibt es nicht -, dann beschreibt dieser Begriff einen weit fortgeschrittenen Zustand der konstruktiven Interferenz auf der psychischen Ebene, der auch vom Verstand uneingeschränkt und in voller Bewusstheit akzeptiert und verinnerlicht wird. Einen solchen Zustand kann eine inkarnierte Seele erst am Ende ihres „Weges der Liebe und der Erkenntnis“ erreichen, d.h., erst am Ende ihres Inkarnationszyklus. Irdische Liebe ist somit kein Zustand, sondern ein Prozess.

Die inkarnierte Seele muss alle Gefühlsspektren, die von den erhabensten und den abgründigsten Erfahrungen ausgelöst werden, erfahren, sie muss auf der Intensitätsskala der Gefühle immer wieder rauf und unter, bis sie lernt, mit ihnen schöpferisch umzugehen. Es leuchtet ein, dass sich der Verstand bei dieser Übung ununterbrochen der Herausforderung stellen muss, Herr der ungeheueren emotionalen Astralenergien zu werden. Der menschliche Verstand muss ein Leben lang die Rolle des emotionalen Dompteurs spielen, auch in solchen Augenblicken, in denen die Gefühle scheinbar vor sich hin schlummern.

Der richtige Umgang mit dem gesamten Spektrum der Gefühle kann nicht innerhalb einer Inkarnation erlernt werden. Auch ein Inkarnationszyklus aus 70-80 Leben reicht nicht aus, um alle Emotionen und Gefühlsintensitäten zu erfahren und zu bewältigen. Was der Mensch allerdings erreichen kann, ist ein tiefes Verständnis für alle Gefühle und eine uneingeschränkte Akzeptanz aus der Erkenntnis heraus, dass alle positiven und negativen Emotionen ein unzertrennbarer Teil seiner irdischen Existenz sind, die mit zunehmender Erfahrung zu einem harmonischen Ganzen verschmelzen, weil sie energetische U-Mengen sind und sich nicht ausschließen können.

Wie das weiße Licht, das aus der Verschmelzung aller sichtbaren Spektralfarben entsteht, die jederzeit erneut getrennt werden können, so ist auch die Liebe das Endprodukt aus der Verschmelzung aller Gefühle – der freudigen und der schmerzlichen -, die jederzeit auch von alten Seelen gesondert erfahren werden können. Liebe ist die konstruktive Interferenz aller Gefühle ohne Ausnahme. Diese Verschmelzung manifestiert sich auf der Ebene des Verstandes als bedingungslose Akzeptanz.

Man kann sich innerhalb dieses Modells nun vorstellen, dass jede Spektralfarbe einem bestimmten Gefühlsmuster zugeordnet werden kann, zum Beispiel: die rote Farbe – der Wut, die grüne Farbe – dem Neid, die gelbe Farbe – der Eifersucht, die violette Farbe – der Trauer usw. (3).

Der Mensch durchschreitet alle Farben und Gefühle während seiner irdischen Inkarnationen und speichert sie als emotionales Gedächtnis. Im Verlauf dieses Prozesses erkennt er, dass die psychische Energie, wie alle Energie überhaupt, ständig in Bewegung ist, so dass man nicht immer wütend, traurig, neidisch oder eifer­süchtig sein kann, sondern auch Augenblicke der Zufriedenheit, Glückseligkeit, Großmütigkeit usw. erlebt. Mit steigender Erfahrung lernt der Mensch mit diesen flüchtigen Gefühlszuständen verstandesmäßig immer sicherer umzugehen und sie in eine gewünschte Richtung zu lenken, indem er sie als Teil seiner irdischen Identität akzeptiert und in Einklang miteinander bringt. Auf diese Weise erhöht die inkarnierte Persönlichkeit die Schwingungen ihres Emotional- und Mentalkörpers und baut niederfrequente Angstmuster ab.

Ohne ins Detail zu gehen, denn dieses Thema ist schier unerschöpflich, soll soviel gesagt werden: Von Inkarnation zu Inkarnation entwickelt die Persönlichkeit die Fähigkeit, ihre vielfältigen Gefühle zu harmonisieren und in Liebe umzuwandeln. Eine schmerzliche Erfahrung, die jeder Mensch im Inkarnationsprozess macht, ist, dass man seine Gefühle nicht leugnen kann, denn in diesem Fall lösen sie sich nicht auf, sondern verdichten sich energetisch und werden tief ins zelluläre Gedächtnis gespeichert. Von dort aus können sie beim geringsten Anlass mit großer Gewalt nach außen ausbrechen und Unheil anrichten.

Die „belle epoque“ des ausgehenden 19. Jahrhunderts und des beginnenden 20. Jahrhunderts, die von der Idee einer klein-bürgerlichen Idylle geprägt war, in der Gewalt, Hass und Aggression äußerlich nicht vorkamen, sondern höchstens in der wissenschaftlich permissiven Form einer Psychoanalyse, endete bekanntlich in die unvorstellbaren Grausamkeiten des 1. Weltkriegs, der diese Idylle mit einem Schlag für immer zunichte machte. Energie muss fließen – vor allem die Energie der Gefühle. Ungeachtet dieser historischen Erfahrung feiert ein der größten Irrtümer unserer Zeit – der politisch-korrekte Glaube, dass man negative Gefühle wie Hass, Aggression, Habsucht usw. unterdrücken muss, um positive Gefühle zu entwickeln – eine beispiellose Renaissance.

Nichts ist falscher als das! Indem man Hass unterdrückt, wird man keine Liebe erzeugen, denn Liebe ist nicht das Gegenteil von Hass. Gefühle sind nicht N-Mengen, die sich gegenseitig ausschließen, sondern U-Mengen, die sich wie die Spektralfarben miteinander vermischen, um das weiße Licht der Liebe zu erzeugen. Erst wenn das gesamte Spektrum der Gefühle vorhanden ist, kann das weiße Licht der Liebe entstehen. Aus dieser Betrachtung folgt, dass Gefühle extrem dynamische, fließende energetische Zustände sind, die sich verbal nicht in festen Begriffen aus-drücken lassen.

Die statische Auffassung vom Wesen der Gefühle ist die Hauptquelle unzähliger Verirrungen und Illusionen, die so hartnäckig und widerspenstig sind, dass jede noch so schmerzliche Erfahrung sie anscheinend nicht austilgen kann. Eine häufige Illusion von der „Liebe zu zweit“ ist, dass sie im Idealfall ewig und unverbrüchlich sein soll – die Zweisamkeit soll als Bollwerk gegen die Unbill des Lebens standhalten und ewiges Glück gewähren. In dieser Illusion spielt die Idee von der Liebe als einem Vorgang des Gebens und Nehmens eine zentrale Rolle. Der Mensch fühlt sich unglücklich und glaubt, dass er vom Partner geliebt werden muss, also von ihm Liebe erhalten muss, um glücklich zu sein; oder man ist unglücklich, weil er vom Partner nicht ausreichend Liebe bekommt.

Die Liebe wird als eine Art Tauschware betrachtet, die zudem eine Mangelware ist, so dass die meisten Menschen unter den gegebenen soziokulturellen Bedingungen an der Liebe wie an einem kostbaren Fetisch kleben und bei dieser psychischen Verrenkung diverse negative Gefühle wie Eifersucht, Neid, Minderwertig­keit entwickeln, mit denen sie dann ein Leben lang hadern. Was dabei auf der Strecke blieb, ist die Liebe selbst.

Die Liebe ist, wie gesagt, ein psychomentaler Zustand der Seelenreife. Der Mensch muss nicht von einer anderen Person geliebt werden, um glücklich zu sein und er kann es auch nicht. Vielmehr muss sich der Mensch zuallererst selbst bedingungslos, mit allen positiven und negativen Eigenschaften lieben und diese Liebe dann auf andere Menschen ausstrahlen. Da die Liebe noch mehr Liebe anzieht, werden sich genügend Menschen finden, die diese bedingungslose Liebe, die aus einer zufriedenen und glücklichen Person ausströmt, empfangen und erwidern. Ist ein Mensch von sich aus zerrissen und von niederen Angstgefühlen getrieben, dann vermag auch eine noch so große Liebe nicht, ihn auf Dauer glücklich und zufrieden zu machen.

Jeder Mensch muss daher lernen, die Liebe zuerst in sich selbst zu generieren – die widerstrebenden Gefühle seiner Psyche in Harmonie zu bringen. Eine wichtige Erkenntnis, die jeder Mensch auf dieser Erde macht, ist, dass es eine vollkommene Liebe zu zweit im physischen Körper nicht möglich ist, da der Mensch im inkarnierten Zustand energetisch getrennt ist und sich unweigerlich einsam fühlen muss, auch wenn er nie alleine ist: Seine entkörperten Seelengeschwister stehen in einem unablässigen Kontakt mit ihm und vermitteln ihm eine transzendente Liebe, die er während der wenigen lumpigen Jahre auf der Erde als eine unerfüllbare Sehnsucht nach dem verlorenen Astralparadies erfährt.

Aus dieser knappen Abhandlung der Liebe ersehen wir, wie falsch die meisten psychischen Phänomene verstanden werden und wie ungenügend ihre sprachliche Darstellung ist. Nimmt man die Sprachen mit dem größten Wortschatz wie Englisch und Italienisch und untersucht man dort alle Begriffe, die Gefühle und andere psychischen Zustände und Erfahrungen wiedergeben, dann wird man rasch feststellen, dass sogar solche Kultursprachen nicht sehr viele Begriffe vorzuweisen haben, die den großen Bereich der Psyche ausreichend abdecken. Zudem sind die meisten Begriffe ungeeignet, die extrem dynamische, flüchtige Natur der Gefühle richtig zu erfassen.

Das liegt zum einen darin, dass der menschliche Verstand extrem konservativ ist und jedwede Veränderung, vor allem solche psychischer Natur, fürchtet. Aus diesem Grund produziert er diverse angstbedingte Auffassungen und Empfehlungen, wie man die Gefühle zähmen und beständiger machen sollte. Auch wenn diese Bemühungen zum Scheitern verurteilt sind, wie das Leben immer wieder beweist und in vielen literarischen und anderen Kunstwerken auf überzeugende Weise gezeigt wird, so pocht der Verstand weiterhin hartnäckig auf seine Glaubenssätze, wie die Gefühle sein sollten, und legt keinen Wert darauf zu erforschen, wie die Gefühle als astral-energetische Phänomene wirklich sind. Diese angstbedingte Selbstzensur erklärt, warum der unerschöpfliche Bereich der Gefühle in begrifflicher Hinsicht von allen Sprachen so stiefmütterlich behandelt wird. Der gnostische Wert einer solchen verbalen Darstellung der Psyche ist sehr gering (4).

Hingegen liefert der abstrakte Bereich des Geistes Begriffe, die sich präziser in die Sprache umsetzen lassen. Die meisten Begriffe der Philosophie und Wissenschaft gehören zu diesem Bereich. Ich habe in der Tetralogie auf eine umfangreiche Weise gezeigt, wie man alle wissenschaftlichen Begriffe aus dem Urbegriff axiomatisch ableiten und auf diese Weise das transzendente gnostische Wissen in die 3D-Raumzeit adäquat übersetzen kann. Der Umfang der abstrakten und wissenschaftlichen Begriffe übersteigt mittlerweile um ein Vielfaches den Wortschatz des psychischen Bereichs und der sinnlich-materiellen Dinge, der ontologisch der ältere ist.

Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass die abstrakten Begriffe des Geistes zunächst keine Korrelate in der materiellen Welt haben; diese werden von den Menschen durch die Manipulation der Materie sekundär erzeugt. Die meisten wissenschaftlichen Begriffe üben diese Funktion aus.

Ein „Kreis“ ist ein abstrakter mathematischer Begriff, den man in der Natur nicht vorfindet (Beachte: Alle natürlichen Rotationen der kosmischen Objekte sind laut Keplers Gesetze elliptische Bahnen). Dieser Begriff wird durch ein oder mehrere Wörter als geometrische Figur eindeutig definiert: Als eine Linie, deren Punkte sich auf der gleichen Entfernung von einem willkürlich gewählten Mittelpunkt befinden. Wird nun diese geometrische Figur architektonisch in runde Bauten und landwirtschaftliche Formen oder durch technische Verarbeitung in kreisförmige Gegenstände, z.B. runde Töpfe oder Maschinenteile wie Räder und Kolben, umgesetzt, dann erfährt der abstrakte Begriff „Kreis“ eine materielle Konkretisierung.

Dieses Beispiel illustriert, wie alle abstrakten, astral-energetischen Begriffe mittels der Sprache und der menschlichen Handlung eine Materialisierung in der 3D-Raumzeit erfahren. Bereits an dieser Stelle erkennen wir, dass Sprache und Handlung in einer innigen Beziehung zueinander stehen und sich gegenseitig kognitiv bedingen.

Der Laut, das Wort „Kreis“ ruft von nun an eine konkrete visuelle Assoziation bei den Menschen hervor. Das Kind lernt das Wort zuerst anhand konkreter Gegenstände, die kreisförmig gebaut sind, kennen und setzt sich erst später in der Schule mit der abstrakten mathematischen Regel zur Bildung eines Kreises auseinander. Während sich dieser kognitive Vorgang zeitlich sukzessiv in der 3D-Raumzeit entfaltet, lernt die inkarnierte Persönlichkeit zuerst mit gegenständlichen und später mit abstrakten Begriffen umzugehen. Sie kann nun unterscheiden zwischen der abstrakten schöpferischen Definition des „Kreises“ und den vielen konkreten Materialisierungen dieses Begriffs. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass sich dieser Lernprozess lediglich auf der Ebene des Tagesbewusstseins abspielt und den Anschein einer altersabhängigen Intelligenzbildung vermittelt.

In Wirklichkeit ist dem menschlichen Geist als Teil der Seele zu jeder Zeit völlig bewusst, was Kreis bedeutet und was eine materielle Konkretisierung dieser geometrischen Figur ist. Bereits das Neugeborene verfügt über die vollständige geistige Fähigkeit zur dialektischen Bildung von konkreten Begriffen, die materiellen Einzeldinge erfassen, und von abstrakten Kategorien (5).

Diese Fähigkeit des dialektischen Denkens wird durch Bildung und Erziehung nur scheinbar sequentiell an die Oberfläche hervorgebracht. An diese zentrale Erkenntnis ändert auch die Tatsache nichts, dass es viele Menschen auf der Erde gibt, die unfähig sind, dialektisch zu denken und abstrakte Gedankensysteme zu begreifen.

Die Intelligenz der inkarnierten Persönlichkeit ist unabhängig von der allumfassenden Bewusstheit der Seele. Als Vehikel der Seele zur Selbsterforschung kann die individuelle Intelligenz, je nach Auswahl der Inkarnationsaufgaben, entwickelt sein oder auch nicht. Das gleiche gilt für das Erlernen von Sprachen. Es gehört zum Tarnungsspiel der Seele, das Erlernen der Muttersprache durch das kleine Kind als einen langwierigen, zeitlich protrahierten Prozess zu gestalten, um die Illusion der Amnesie – der Einmaligkeit der aktuellen Inkarnation – aufrechtzuerhalten, wobei frühere Inkarnationen im selben Sprachgebiet das schnelle Erlernen der Muttersprache erleichtern. Diese desillusionierende Erkenntnis eliminiert die gängigen sprachwissenschaftlichen und psychologischen Abhandlungen zum Thema als „sinnloses Zeug“ (z.B. die Theorien von Piaget).

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Die obige Diskussion tangiert einen wichtigen gnostischen Aspekt der Sprache, den ich bereits kurz erwähnt habe. Es ist gleichgültig, welches Wort man für einen abstrakten Begriff wie den Kreis wählt – einzig und allein wichtig ist seine geometrische Definition. Dieses Beispiel beleuchtet nicht nur die prinzipielle kognitive Gleichwertigkeit aller Sprachen die Existenz vieler Sprachen und Dialekte als Hauptforschungs­objekt der Sprachwissenschaft -, sondern erklärt zugleich die semantische Wandlung der Sprachbegriffe im Verlauf der Geschichte. Wir erkennen, dass es grundsätzlich möglich ist, zu jedem abstrakten, astral-energetischen Begriff einen beliebigen Laut als Wort zuzuordnen.

Diese Vielfalt der Wortwahl als Laute kann sich innerhalb einer Sprache vollziehen, zum Beispiel durch die Einführung von neuen Synonymen, oder zur Bildung unterschiedlicher Sprachen führen. Diese Äquivalenz der Wortbildung ist im Prinzip der letzten Äquivalenz enthalten: Unabhängig davon, welches Wort man für den Urbegriff wählt, ob Raumzeit, Energie, Gott, Allganzes, Kontinuum oder „Bierkrug“ (Hilbert), sind diese Wörter äquivalent und untereinander austauschbar. Diese inhaltliche Äquivalenz der Laute, die man einem Begriff zuordnet, findet nicht auf der sprachlichen Ebene statt, sondern ist eine astral-energetische Vorbedingung aller Erkenntnis.

Der Mensch ist eine psychomentale Energieeinheit, die sich als organischer Körper in der 3D-Raumzeit manifestiert. Die übergeordnete energetische Einheit auf der Astralebene ist die Seele, die sich wiederum in größeren seelischen Verbänden organisiert. Alle Realität hinter der dreidimensionalen Wirklichkeit ist der Geist der 7F-Schöpfungsbereiche, der sich als menschliche Gedanken offenbart, die ebenfalls astral­energetische Phänomene sind, auch wenn ihr Bezugspunkt in der physischen Körperlichkeit liegt: Erst kommt der Gedanke, dann die materielle physikalische Welt. In diesem Sinne ist auch der menschliche Körper und die Sprache, die ein Attribut des Körpers ist – eine akustische Funktion der Stimmritzen, bei der sich die Lunge, Muskulatur und das gesamte ZNS beteiligen -, primär ein astral-energetischer Gedanke, der sich in der 3d-Raumzeit in dieser spezifischen physikalischen, organisch-akustischen Form artikuliert.

Auf einer höheren Astralebene sind alle Gedanken eindeutig definierte energetische Phänomene, die U-Untermengen des Allganzen sind und sich auf eine multidimensionale Weise in der 3D-Raumzeit zeigen können. Diese eindeutige energetische Zuordnung der Gedanken als a priori Begriffe ermöglicht ihre Umsetzung in akustische Zeichen in Laute und Wörter, die eine für alle Menschen verbindliche Bedeutung haben. Ohne diese energetische Vorbedingung wäre eine Kommunikation durch Sprache nicht möglich. Diese Feststellung ist eminent wichtig, denn sie ist in dieser Eindeutigkeit bisher weder von der strukturellen Linguistik, noch von der Philosophie idealistischer oder positivistischer Prägung verstanden worden, obwohl manche idealistisch orientierte Sprachwissenschaftler des 19. Jahrhunderts auf die Existenz einer solchen Vorbedingung bereits hingewiesen haben.

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Wir kommen nun zur Quintessenz dieses Kapitels: Jede Art menschlicher Erkenntnis kann, unabhängig von der angewandten Symbolik, nur verbal, bzw. abstrakt-verbal vermittelt werden. Unter „verbal“ verstehen wir die gesprochene und geschriebene Sprache als Informationsmedium, das eine konkrete biologische Funktion der menschlichen Spezies ist. Diese Definition der menschlichen Gnosis schließt jede Form der verbalen Vermittlung von Erkenntnissen ein: zum Beispiel, Bilder, Bildersprachen und abstrakte Zeichen wie Buchstaben, Morsealphabet, Zahlen, geometrische Figuren usw. In diesem erweiterten Sinne sind die bildenden Künste wie Malerei und Bildhauerei, Film und Theater als Ausdrucksformen menschlicher Kommunikation unterschiedliche, multidimensionale verbale Mittel zur Gewinnung und Übertragung von Erkenntnissen.

Die Priorität und Allgegenwärtigkeit der Sprache als universeller Träger menschlicher Erkenntnis trifft man nicht nur in der Literatur, Wissenschaft und Philosophie. Ein Bild hat stets ein Sujet. Die Renaissance-Malerei stellt beispielsweise Themen des Alten und Neuen Testaments dar, die zuerst als überlieferte und später als schriftliche Texte vorlagen. Ein Film ist undenkbar ohne ein Drehbuch. Die ersten Schriftsprachen, die wir kennen, bestehen aus bildlichen Darstellungen; ihr Grad der Abstraktion nimmt mit der Zeit zu. Die Mathematik ist, wie gesagt, eine Verlängerung der deduktiven Logik, der logischen Sprache, durch die Einführung von abstrakten Zeichen wie Zahlen und Relationszeichen (6).

Mit der Entdeckung des Universalgesetzes und der Entwicklung der Allgemeinen Theorie der Wissenschaften habe ich bewiesen, dass jeder Begriff und jedes Wort mathematisch dargestellt werden können. Alle physikalischen Begriffe wie Energie, Masse, Ladung, Kraft usw. können auf vielfältige Weise mathematisch präsentiert werden, z.B. als Vektoren, Flächenintegrale, Zahlen, [Raumzeit]-Symbole usw. Somit ist Mathematik lediglich eine spezielle Form der verbalen Kommunikation, die anstelle von Wörtern abstrakte Symbole verwendet.

Unser Denken vollzieht sich in Begriffen, Wörtern, die man nach bestimmten Regeln zu Sätzen verknüpft. Sie sind die strukturellen Mittel der Erkenntnis. Aber auch alle elektronischen Medien richten sich nach der Sprache, z.B. als Programmiersprachen, die dann zur Darstellung von Bildern und anderen optischen und verbalen Symbolen verwendet werden. Die Tatsache, dass Sprache und Erkenntnis untrennbar sind, ist den Philosophen seit jeher bekannt und erklärt, warum sich viele von ihnen ausgiebig mit Logik und Linguistik beschäftigen.

Daraus folgt, dass philosophische Erkenntnis oder Gnosis eine metaphysische Ebene des menschlichen Geistes ist, die zur Zeit, in der Abwesenheit telepathischer Fähigkeiten in der breiten Bevölkerung, an eine verbale Ausdrucksform gebunden ist und somit zwangsläufig einen mittelbaren Charakter hat. Da alle Phänomene der Raumzeit U-Mengen sind und sich als Element enthalten, beinhaltet die durch Sprache und Zeichen vermittelte Gnosis getreue Abbildungen von allen Wechselwirkungen der Raumzeit, auch von solchen, die auf der bewussten Ebene der menschlichen Kognition nicht wahrgenommen werden können:

Die Phänomenologie der Raumzeit ist ein Abbild der Astralwelten, wenn man sie sprachlich korrekt deutet, d.h., wenn man die Sprache axiomatisch verwendet.

Axiomatik ist stets transzendent, weil der Urbegriff, von dem sie ausgeht, transzendenter Natur ist: Er schließt sowohl die sichtbare 3D-Raumzeit als auch die 7F-Schöpfungsbereiche, die diese erst hervorbringen.

Das menschliche Bewusstsein ist durch seine Sinneswahrnehmungen extrem eingeschränkt. Würde man jede Art menschlicher Erkenntnis auf diesen engen Erfahrungsbereich reduzieren, dann müsste man die Philosophie in eine Zwangsjacke stecken oder sie gänzlich ignorieren, wie man es zurzeit in der Wissenschaft tut. Dies ist das erkenntnistheoretische Dilemma, mit dem sich der wissenschaftliche Empirismus plagen muss.

Das empirische Dogma prägt das kollektive Denken der Menschheit maßgeblich und führt zu einem totalen Agnostizismus, an dem die heutige Gesellschaft zugrunde geht. Ich habe die vielen verschiedenen Symptome dieser kognitiven Blindheit in der Wissenschaft, Wirtschaft und im alltäglichen Leben in diesem und meinen anderen Büchern aufgezeigt.

Definiert man das gewöhnliche menschliche Bewusstsein als die Summe aller Sinneswahrnehmungen und geht man davon aus, dass die meisten Menschen, die zum gegebenen Zeitpunkt die Erde bevölkern, über dieses geistige Niveau nicht hinausgehen, dann ist die philosophische Erkenntnis die einzige Möglichkeit, das menschliche Bewusstsein zu erweitern und es für neues Wissen empfänglich zu machen.

Diese Aussage zur Transzendenz des gnostischen Denkens ist so alt wie die Philosophie selbst und ein Leitmotiv bei den antiken Denkern. Da wir in einem philosophiearmen, agnostischen Zeitalter leben, in dem die große Masse der jungen Seelen ihre kognitive Beschränktheit und intellektuelle Mittelmäßigkeit zum Maß aller Dinge erhoben hat, lohnt es sich, diese Grunderkenntnis immer wieder ausdrücklich hervorzuheben (7).

Damit schließe ich das vorliegende Essay mit der folgenden fundamentalen Feststellung:

Dem menschlichen Geist steht die allumfassende Bewusstheit der Seele als Potential stets zur Verfügung. Philosophische Erkenntnis als Gnosis umfasst den Teil der seelischen Bewusstheit, der durch Sprache ausgedrückt wird. Transzendente Gnosis schließt die verbale Gnosis und alle medial zugänglichen Erkennt­nisse jenseits der Sprache ein.

Fußnoten:

1)  Man beachte, dass auch alle physikalischen Darstellungen der Mikrowelt, zum Beispiel mit Hilfe eines Elektronenmikroskops, optische Darstellungen der Oberfläche der Elektronen sind. Das gleiche gilt für Darstellungen mit NMR (nuclear magnetic resonance) und PET (positron emission tomography) in der Medizin. Das Grundprinzip solcher Verfahren ist die elektromagnetische Darstellung von energetisch äquipotenten Raumpunkten als eine geometrische 2D- oder 3D-Oberfläche auf dem Bildschirm.

2) Siehe Tabelle 1, Band 1

3) Ich habe hier ausdrücklich die Zuordnung von Farben und Gefühlen gewählt, die in Bulgarisch und anderen slawischen Sprachen üblich ist. Diese Zuordnung unterscheidet sich von derjenigen in Deutsch, wobei die Art der Zuordnung in diesem Fall unerheblich für meine Argumentation ist.

4) Es ist richtig, dass auch wenn man die Begrifflichkeit, mit der man den psychischen Bereich erfasst, erweitert, differenziert und verfeinert, so wird es stets unmöglich sein, die innerseelische Dynamik der Gefühle adäquat in Worten wiederzugeben. Nur ganz große Meister der Sprache und alte Seelen wie Dostojewski und Joseph Conrad können sich an die dynamische Natur der Psyche in etwa heranpirschen und sie literarisch überzeugend herausbringen.

5) Diese Schlussfolgerung folgt aus der Erkenntnis heraus, dass auch die Seele eines Neugeborenen ein bewusster Mitschöpfer der 3D-Raumzeit ist, insbesondere, wenn es sich um eine alte Seele handelt.

6) Zum Thema empfehle ich dem Leser die „Rational-empirische Erkenntnistheorie“ des bulgarischen Philosophen Boris Kaltschew (S. Hirzel Verlag, Stuttgart, 1987), in der die Rolle des Zeichens zur Erkenntnisgewinnung vom konventionellen Standpunkt sehr präzise abgehandelt wird.

7) Der Aufstand der Massen“ junger Seelen und ihre soziokulturellen Charakteristika werden von Ortega y Gasset aus der Position einer alten, philosophisch orientierten Seele brillant dargestellt. Mein Freund Georgi Schischkoff hat mit seinem Buch „Die gesteuerte Vermassung“ (1964) ebenfalls einen wertvollen Beitrag zu diesem Thema geliefert (siehe Band 4).

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