The Story of the Young Soul That Became a Pope

by Georgi Stankov, February 12, 2013

www.stankovuniversallaw.com

I wrote this sarcastic parable about the young, unripe soul of the resigned pope Ratzinger in 2006, one year after he became a pope, in order to illustrate what old, fear-based behaviour patterns drive such young souls like this man to follow a religious career in the Christian Orion Church. This parable was part of my investigations on the philosophy of Descartes in my gnostic book “Philosophic Sources” (see page 68). In my analysis, I departed from some ingenious elaborations of this greatest thinker of modern Western civilisation on human mind and moral.

Unfortunately, this parable is written in German language and uses some very specific expressions and facts dealing with the life of Ratzinger, which I studied carefully during my sojourn in Freising, where the resigned pope graduated from the local seminary and became a priest in the same year I was born. Due to this reason, the language of this parable is very difficult to traanslate in English.

On several occasions in the past I have made the readers of this website aware of the fact that my life is closely intertwined with that of Ratzinger and that I have lived in all places that have also shaped the destiny and career of Ratzinger, such as Bonn, Münster, Munich, Freising and Regensburg. In the latter  university town I presented officially the new theory of the Universal Law at the annual conference of the German Physical Society in March 1998. Regensburg is not far away, half an hour drive with a car in the north from where I now live.

Ratzinger lived in Regensburg many years as a professor in theology before he became a bishop and he has a house there. His brother who is also a theologian still lives there. When this pope first visited his homeland Bavaria in 2006, he made his infamous lecture at the Regensburg university, known since then as the “Regensburger lecture“. In his speach he condemned the ferocity and blood thurstiness of Islam, but omited to make similar comments on all the atrocities Christianity has committed throughout its history of 2000 years. I have discussed this lecture in depth in my gnostic-philosophic book “Neoplatonism and Christianity”

He was severely criticized for this speech and was forced since then to adopt a low profile, thus hiding officially his highly controversial, conservative Christian beliefs. But this did not help him improve his already bad reputation as the “Panzer-Kardinal” (“Armour-Cardinal“, another valid translation is also “Tank-Cardinal“). This nickname, which he brought with him to the Vatican as the head of the Inquisition, summarizes in a paradigmatic way the mentality of this young soul, who sought refuge in the alleged stability of Christian dogma, as he was so fearful of the pulsating life outside the church walls that he hated being exposed to its imponderables.

This was also the main reason why he gave up his career as a professor at German universities that were in turmoil in the late 60s and 70s due to the rebellious movement of the “Generation 68” that had encompassed whole Europe at that time and in which I also participated as a dissident in Bulgaria and later on as an emigre in Germany.

At the end, the young soul Ratzinger betrayed his HS and compromised his own quest for truth, which he cherished as a young man when he was adamantly searching for the “Proof of God“.

This is essentially the story of this very lucid parable, which I dedicated to pope Ratzinger in the  year of 2006, knowing from my HS that he will resign at the time of my ascension when I will take over the Vatican and the Church of Christ based on a fraud of the gnostic teachings of our PAT predecessorApollonius of Tyana – as extensively discussed on this website.

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Die Geschichte von der jungen Seele

Eine junge Seele mit priesterlicher Seelenessenz und intellektueller Zentrierung folgte ihrem innewohnenden religiösen Gefühl und suchte ein Leben lang vergeblich nach greifbaren Beweisen für das Transzendente, das sie in diesem Seelenalter noch nicht unmittelbar wahrnehmen konnte, denn ihre Angststruktur hinderte sie daran, diese seelische Dimension zu erforschen. Aber sie hatte keine Ahnung von diesen innerseelischen Zusammenhängen und lebte in einer unschuldigen, freudigen Erwartung einer zukünftigen Erleuchtung.

Sie wurde seit der frühesten Kindheit von starken Zweifeln heimgesucht und hatte Angst im Leben zu versagen. Zu dieser Angst trug auch ihre schmächtige Konstitution bei, die bei ihren Altersgenossen nicht gut ankam. Um Halt zu finden, wandte sie sich der Theologie zu, denn die Kirche existierte ja bereits seit 2000 Jahren und die Christen schienen fest an die Existenz Gottes zu glauben. Außerdem war ihre Familie und die ganze Umgebung strenggläubig und unterstützten sie in diesem Vorhaben.

Ihr genügte es aber nicht, eine einfache gläubige Seele zu werden, sondern sie wollte einwandfreie wissenschaftlich-theologische Beweise für die Existenz Gottes finden. Schließlich war sie ja intellektuell zentriert und musste alles, was sie vernahm, erst durch den intellektuellen Verstand auswerten. Da sie zugleich unfähig war, Gefühle intensiv zu erleben und auszudrücken, denn das 4. Herzchakra ihrer Emotionalität war ja bei ihr noch geschlossen, konnte sie mit psychischen Wallungen nicht umgehen und hegte ein abgrundtiefes Misstrauen gegenüber allen emotionalen Regungen, sei es bei ihr oder anderen Seelen.

Also stürzte sich unsere inkarnierte Seele auf das Studium der Theologie und wurde aufgrund ihrer intellektuellen Begabung und in Ermangelung emotionaler Ablenkungen schnell zu einem anerkannten jungen Theologen, der alle wichtigen Werke der christlichen Lehre beherrschte und sie sehr gut vortragen konnte. Ohne sich groß anzustrengen, stieg sie schnell in die kirchliche Hierarchie auf, denn in jener Zeit wurde die Gesellschaft immer atheistischer, so dass immer weniger Menschen sich für einen geistlichen Beruf entschieden.

Ihre ursprünglichen Zweifel an der Existenz Gottes hatte unsere Seele nach wie vor nicht überwinden können, denn sie hatte nichts in den Heiligen Schriften oder anderen Werken finden können, das sie auch nur ein wenig überzeugt hätte. Gleichzeitig las sie aber, dass viele berühmte Persönlichkeiten in der Kirchengeschichte solche einschneidenden Erlebnisse mit dem Göttlichen gemacht hätten, die sie für immer verändert hätten und anschließend in gefeierten mystische oder gnostischen Schriften verarbeitet haben.

Besonders von Augustinus und seinen Bekenntnissen war unsere junge Seele zutiefst beeindruckt. Also entschloss sie sich, ihre Habilitation über diesen Kirchenvater zu schreiben, in der Hoffnung eines Tages in die Fußstapfen dieses Heiligen eintreten zu dürfen und ebenfalls vom Göttlichen berührt zu sein.

Bis zu diesem Zeitpunkt war sie von einem ungebrochenen spirituellen Idealismus beseelt. Die Habilitation erwies sich aber wider Erwarten als eine äußerst schwierige Angelegenheit, nicht weil unsere tüchtige Seele ihre schriftliche Arbeit schlecht geschrieben hätte – sie war von außerordentlicher Präzision und christlicher Inbrunst – sondern, weil ausgerechnet diese leidenschaftliche Frömmigkeit unserer Seele dem Professor, einem desillusionierten, agnostischen alten Zyniker, zutiefst missfiel. Als Kompensation für sein spirituelles Versagen, rächte sich dieser Professor an seine Studenten, indem er sie unter dem Vorwand des hohen wissenschaftlichen Anspruchs bei der Begutachtung ihrer Doktorarbeit oder Habilitation systematisch drangsalierte. Die deutschen Universitäten waren damals voll mit solchen Sadisten, die geistige Überbleibsel der braunen deutschen Vergangenheit waren.

Also erkannte unsere Seele zum ersten Mal am eigenen Leib, dass ihr theologischer Werdegang keine Aufwärtsspirale zum Göttlichen darstellte, die sich ebenso zwanglos in eine auf der Hierarchieleiter immer höher und höher aufstrebende Kirchenkarriere ummünzen ließ, sondern dass der Weg zu Gott mit unzähligen Minen und Fallgruben gesät war.

Sie stand nun an einem Scheideweg. Sie könnte sich entscheiden, die Kirche zu verlassen, um ihren spirituellen Idealismus zu bewahren und ihn in privaten Studien zu pflegen oder in der Kirche zu bleiben und ihre theologisch-intellektuelle Vervollkommnung voranzutreiben, bis sie die meisten Geistlichen übertreffen würde. Auf diese Weise hoffte sie, ihre Zweifel zu überwinden und weigerte sich, sich einzugestehen, dass bei diesem Vorhaben überall die Gefahr lauerte, dass sich die angestrebte theologische Gelehrsamkeit am Ende doch nur als ein billiger Ersatz für die ausgebliebene göttliche Erleuchtung erweisen könnte.

Wie der Zufall es wollte, fiel unserer verzweifelten Seele just in dieser Zeit Descartes‟ Abhandlung „Von der Methode des richtigen Vernunftgebrauchs und der wissenschaftlichen Forschung“ in die Hände. Einerseits gehörte die Lektüre philosophischer Werke zur theologischen Ausbildung unserer Seele, andererseits beäugte man Descartes in der Kirche mit großem Misstrauen. Schließlich war sein Gottesbeweis viel zu sehr mit inneren Zweifeln behaftet, und der Ausgangspunkt seiner Beweisführung lag nicht im Göttlichen, sondern in der unzweifelhaften Existenz des eigenen „Ich“. Dieser kartesianische Ansatz war der Kirche zutiefst suspekt, denn, hätte man ihn konsequent angewandt, müsste man die Kirche als Vermittler zwischen Gläubigen und Gott gänzlich aufgeben.

„Wenn ich mich nun entscheiden würde“, dachte sich unsere Seele, „die Kirche für immer zu verlassen, dann müsste ich mich auch mit Gottesbeweisen außerhalb der christlichen Lehre vertraut machen.“ Denn ganz ohne Gott wollte unsere Seele partout nicht leben. Schlussendlich fand dann unsere Seele einen Kompromissweg, den auch Descartes selbst gewählt hatte, und der ihr nun wie eine göttliche Fügung in ihrer seelischen Not vorkam.

In ihrer Begeisterung übersah unsere überglückliche Seele jedoch beflissentlich, dass Descartes diesen Weg als „Moral auf Zeit“ verstand, mit der er lediglich seine wissenschaftliche Forschungstätigkeit vorantreiben wollte, und ihn nicht als eine „Lebensstrategie“ empfahl. Also entschied sich unsere Seele in der Not, die „drei Grundsätze“ der kartesianischen „Moral auf Zeit“ in ihr Leben voll zu übernehmen und schrieb sie mit geringfügigen Modifikationen in ihrem Tagebuch wie folgt ab:

1 Grundsatz: Den Gesetzen und Sitten meiner Kirche zu gehorchen, an der Religion beharrlich festzuhalten, in der ich durch Gottes Gnade seit meiner Kindheit unterrichtet worden bin, und mich in allen anderen nach den maßvollsten, jeder Übertreibung fernster Überzeugungen zu richten, die von den besonnensten unter denen, mit denen ich leben würde, gemeinhin in die Tat umgesetzt werden. Denn ich war ja im Begriff, meine eigenen für nichts gelten zu lassen, weil ich sie alle der Prüfung unterwerfen wollte, und war daher sicher, dass ich nichts Besseres tun könne, als den Ansichten der Besonnensten zu folgen.

Und obgleich es vielleicht auch unter den Atheisten und Ungläubigen ebenso besonnene Leute geben mag wie bei uns, schien es mir doch am nützlichsten, mich nach denen zu richten, mit denen ich leben würde, und, um zu wissen, welches wirklich ihre Glaubensüberzeugungen wären, vielmehr auf ihre Taten zu achten als auf ihre Worte, nicht nur, weil es bei der herrschenden Sittenverderbnis wenige Leute gibt, die alles sagen würden, was sie glauben (das kann ich auch nicht!), sondern auch, weil viele es selbst nicht wissen; denn da der geistige Akt, durch den man etwas glaubt, verschieden ist von dem, durch den man erkennt, dass man es glaubt, ist oft der eine ohne den anderen da. Und unter mehreren Überzeugungen, die gleichermaßen anerkannt werden, wählte ich nur die gemäßigsten, einmal weil sie für die Praxis immer die bequemsten und wahrscheinlich die besten sind – denn alles Übermaß ist für gewöhnlich schlecht – dann auch, um mich für den Fall eines Fehlgriffs weniger vom wahren Wege zu entfernen, als wenn ich ein Extrem gewählt hätte und dem anderen hätte folgen müssen…

2. Grundsatz: In meinen Handlungen so fest und entschlossen zu sein, wie möglich und den zweifelhaftesten Ansichten, wenn ich mich einmal für sie entschieden hätte, nicht weniger beharrlich zu folgen, als wären sie ganz gewiss. Hierin ahmte ich die Reisenden nach, die, wenn sie sich im Walde verirrt finden, nicht umherlaufen und sich bald in diese, bald in jene Richtung wenden, noch weniger an einer Stelle stehen bleiben, sondern so geradewegs wie möglich immer in derselben Richtung marschieren und davon nicht aus unbedeutenden Gründen abweichen sollten, obschon es vielleicht im Anfang bloß der Zufall gewesen ist, der ihre Wahl bestimmt hat; denn so werden sie, wenn sie nicht genau dahin kommen, wohin sie wollten, wenigsten am Ende irgendeine Gegend erreichen, wo sie sich wahrscheinlich besser befinden als mitten im Wald.

3. Grundsatz: Stets bemüht zu sein, eher mich selbst zu besiegen, als das Schicksal, eher meine Wünsche zu ändern, als die Weltordnung und überhaupt mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass nichts völlig in unserer Macht steht außer unseren Gedanken.“

Mit den kartesianischen Grundsätzen einer falsch verstandenen „Moral für das ganze Leben“ gerüstet, löste nun unsere Seele das Problem mit dem Professor rasch, indem sie all seine Änderungsvorschläge, die ihr zutiefst zuwider waren, ohne Murren übernahm. Sie habilitierte sich und wurde bald darauf selbst Professor.

Die Grundsätze schienen Wunder zu bewirken, denn in dieser Zeit befand sich das Land im Umbruch, und nichts schien mehr sicher zu sein, weder Moral, noch Sitten und schon gar nicht der Glaube. Unsere Seele konnte sich an gar nichts mehr halten außer an Descartes ‟ Grundsätzen“.

Ein alter Mann und Verlegenheitskandidat wurde überraschend zum Kirchenoberhaupt gewählt; anstelle sich um sein Grabmal in Venedig zu kümmern, beschloss dieser bäuerliche Papst das Unerhörte – die Kirchenlehre von Grund aus zu erneuern. Nach dem ersten Schock, der unsere Seele bis ins Mark traf, erkannte sie die Chance, die ihr diese Erneuerung der Kirche bot, um ihre Zweifel an der Existenz Gottes in praktischer Tätigkeit zu überwinden.

„Was wäre, wenn ich mich aktiv an der Verfassung der neuen Glaubensregeln beteiligen würde?“, fragte sich unsere Seele: „Vielleicht gelingt es mir, dadurch ein Zipfelchen des Göttlichen zu erhaschen?“ Also machte sich unsere Seele auf den Weg dorthin, wohin alle Wege führen und wo der katholische Glaube bekanntlich verwaltet wird, und verbrachte einige Jahre in sinnlosen, ermüdenden Diskussionen, bei denen der Erhalt der Kirche und ihre Einheit im Vordergrund standen, dafür aber das religiöse Gefühl auf der Strecke blieb.

Der erste kartesianische Grundsatz half unserer Seele auch in dieser Umbruchzeit, ihrem Weg unbeirrt zu folgen: Sie beurteilte ihresgleichen nicht nach ihren Glaubens-überzeugungen, denn die meisten schienen ja gar keine zu haben, sondern nach ihren Taten, von denen keine einzige sie richtig überzeugte. Die Glaubensbekenntnisse schienen ohnehin nicht von Bedeutung zu sein – was zählte, war der Erhalt der Kirche, deren Zukunft damals als sehr ungewiss beurteilt wurde. Dem ersten Grundsatz folgend, merkte sich unsere Seele diese Ansicht sehr genau, denn sie wurde von den Besonnensten der Kirche geteilt. Ein bitterer Nachgeschmack blieb dennoch übrig, das konnte auch unsere Seele nicht vor sich verbergen.

Zurück in die Heimat stürzte sie sich in fieberhafte, akademisch-theologische Tätigkeit, so als wollte sie ihre Zweifel über die Existenz Gottes betäuben. Sie wählte das schwierigste Thema in der Theologie aus, vor dem alle besonnenen Kenner der Materie einen großen Bogen machten: die Eschatologie von Leben und Tod. Man hätte meinen können, dass unsere Seele mit dieser Wahl ihre kartesianischen Grundsätze verraten hätte, auch einige kritische Stimmen aus ihrer akademischen Umgebung schienen diese Vermutung zu bestätigen. Aber unsere Seele blieb ihren Grundsätzen treu und übertraf sich selbst. Auch wenn sie nach außen hin den Eindruck erweckt hatte, sie würde mit diesem transzendenten Thema nach den Sternen greifen, so gelang es ihr, diese diffizile gnostische Materie, an der sich die meisten Philosophen und Theologen vor ihrer Zeit die Zähne ausgebissen hatten, abzuhandeln, ohne auch nur ein einziges Mal ins theologische Fettnäpfchen zu treten. Was auf der Strecke blieb, war die transzendente Erkenntnis von der wahren Existenz Gottes; sie passte einfach nicht in diesem theologisch korrekten, aber philosophisch sehr dürftigen Werk.

Der Erfolg ihres Buches war für akademische Maßstäbe beachtlich und brachte ihr die einhellige Anerkennung. Unsere Seele war berauscht davon und merkte zu ihrer größten Überraschung, dass ihre theologischen Zweifel in der Aufregung um die Publikation ihres Werkes sehr viel leiser geworden waren. Sie begann sich an diesen Zustand zu gewöhnen und kam zum Schluss, dass dies der einzige richtige Umgang mit der Idee von Gott sei: „Man soll Gott nur mit dem Verstand und nicht mit den Gefühlen oder, Gott behüte, mit einer so unsicheren Instanz wie der Intuition erfassen, möge Descartes sie noch so viel in seinem Gottesbeweis preisen.“, dachte sie: „Und wie steht es eigentlich mit meiner Seele?“, fragte sich unsere inkarnierte junge Seele, die ihre theologische Neugier doch nicht ganz unterdrücken konnte, mit sorgenvoller Miene: „Ist sie unsterblich oder existiere sie gar vor meiner Zeit als Mensch?“

Aber der Begriff der Seele war unserer kleinen, jungen Seele viel zu suspekt, schließlich hatten ihn die heidnischen Philosophen der Antike stets in den Mittelpunkt ihres Denkens gestellt und dabei auf den christologischen Gott verzichtet. Auch ihre mögliche Wiederinkarnation war unserer Seele unheimlich und stürzte sie in Tausend Glaubensnöte. Kurzum: sie weigerte sich, über sich selbst nachzudenken, denn sie hatte sich ja bereits für die Kirche entschieden. Um diese unbequemen Fragen vor sich zu verbergen, fing sie an, sich als einen “unermüdlichen, demütigen Gärtner auf dem Weinfeld des Herrn” zu betrachten.

Und dieses Selbstbildnis gefiel ihr außerordentlich gut. Zur selben Zeit entschied sich unsere Seele, Abstand vom ganzen Gedankengut der antiken Philosophie, das die Kirche übernommen und sie zu einer hellenistischen Religion gemacht hatte, zu nehmen und nur den Logos gelten zu lassen, aber nicht den heidnischen Logos Heraklits, um Gottes Willen, sondern nur den johannesschen, denn sie wollte ja schließlich nicht als eine ketzerische Seele dastehen. Der Logos sollte die christliche Vernunft verkörpern, zu der sich unsere Seele aufgrund ihrer intellektuellen Zentrierung hingezogen fühlte, aber die christliche Vernunft bedeutete für unsere Seele nichts weiteres, als die Kirche in diesen unruhigen und widrigen Zeiten zusammenzuhalten.

Dies kam daher, dass unsere Seele den gesellschaftlichen Umbruch in jener Zeit unmittelbar erleben musste. Es war das erste Mal, dass sie richtig in die Abgründe des politischen Lebens herabblickte – die Verwerflichkeiten der Nazi-Zeit hatte sie mehr oder weniger unbemerkt an sich vorbeirauschen lassen – und was sie dort sah, gefiel ihr überhaupt nicht. Der Aufstand der ungehobelten Revoluzzern der 60er Jahre, die Universitäten besetzten, sie beim Halten ihrer Vorlesungen störten, ihre aggressive Reformwut in einem langen Marsch im Stile Maos durch die Institutionen dieser Republik (womöglich auch durch die Kirche?) auszutoben gedachten und diese veralterten bürgerlichen Strukturen gründlich umkrempeln wollten, ängstigten unsere zartbesaitete Seele aufs Tiefste: „Könnte sie es zulassen, dass sich zu ihrem inneren theologischen Chaos noch ein äußerliches, gesellschaftliches gesellte? Nein! Das könnte sie nicht!“ Sie entschied sich, ihr inneres Chaos, das aus ihren Zweifeln an der Existenz Gottes entstanden war, ein für alle Male zu unterdrücken und das äußere mit der Entschlossenheit eines Savonarola zu bekämpfen.

Aus dem unermüdlichen Weingärtner wurde ein unbeugsamer Glaubensritter in strahlendem Panzer, der in die Welt auszog, um die Reinheit der christlichen Lehre zu verteidigen.

Bevor ich nun meine Geschichte zu Ende erzähle, muss ich mich an dieser Stelle eines abgedroschenen literarischen Kunstgriffs bedienen, der augenzwinkernd wie folgt lautet: „Jede Ähnlichkeit unserer fiktiven Seele mit lebenden Personen ist rein zufällig und keineswegs beabsichtigt. Falls es sie doch gäbe, darf der Autor wegen möglicher Verunglimpfung in unserer prozesswütigen Zeit nicht zur Rechenschaft gezogen werden, denn er kann nichts dafür.“ Nachdem ich nun aus dem Schneider bin, werde ich die Geschichte unserer gottsuchenden Seele schnell beenden, um mich ernsthafteren Themen zu wenden.

Die kartesianischen Grundsätze waren für unsere Seele Gold wert. Von nun an, umarmte sie die Kirche inbrünstig, durchlief die kirchliche Hierarchie im Eiltempo, was ihr viel Lob innerhalb der Kirche brachte, dafür aber umso mehr Kritik von außerhalb, denn sie hatte ja mit einer viel versprechenden Offenheit und Wissbegierde begonnen, die sie den falsch verstandenen kartesianischen Grundsätzen leider sehr früh geopfert hatte. Und sie endete so weit oben, wie man eben in einer Institution wie der Kirche enden kann.

Aber das ist nicht das Ende der Geschichte – sie ist noch offen. Denn wenn bald alles von unten nach oben gekehrt wird und umgekehrt, besteht durchaus die astrale Wahrscheinlichkeit, dass unsere Seele ihren großen Arkana Kreis abschließt und sich erneut dort wieder findet, wo sie ihren Werdegang begonnen hat – in ihrem Urzustand quälender Zweifel an der Existenz Gottes. Nur blickt unsere kleine, agnostische Seele diesmal auf eine umfangreiche Erfahrung zurück: „Ist das nicht der Sinn jeder Inkarnation?“, wird sie sich am Ende ihres Lebens womöglich doch noch fragen. Wer weiß es? Warten wir es ab!

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